Mittwoch, 01.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
01.07.2026 Die taz besucht eine Ausstellung von politischen iranischen Künstlern, die sich nach einer Welt jenseits der autokratischen Fremdbestimmung sehnen. Deutschland wird Grauland, seufzt die SZ mit Blick auf aktuelle Design-Trends. Trotz Höllenhitze hat die FAZ auf den Musikfestspielen Potsdam viel Freude an einem Händel-Oratorium. Klassik und Techno im selben Konzertsaal? Keine gute Idee, findet Backstage Classical. Die SZ fragt nach, wie Tanztheater in Sachsen-Anhalt sich auf einen möglichen AfD-Wahlerfolg vorbereiten.
9punkt - Die Debattenrundschau
01.07.2026 Der Guardian sucht bei Googles DeepMind nach einer KI mit ethischen Werten. Thomas Schmid interpretiert den Erfolg der AfD als Manifestation eines Unmut gegen den zähen Fluss der Alternativlosigkeit. Die NZZ erkennt angesichts der ausländerfeindlichen Proteste in Südafrika und Libyen: Das Unbehagen gegenüber Migration ist global. Die Welt fragt sich angesichts des neuen Code of Ethics des Internationale Museumsverband (ICOM), welche Rolle Kunst eigentlich hier noch spielt.
Bücherschau des Tages
01.07.2026 Die FAZ lernt von Geertjan de Vugt, dass zumindest in unseren Fingerabdrücken noch Reste von Individualität zu finden sind. Die FR entdeckt mit Dieter Fringeli den Don Quichotte der deutschsprachigen Lyrik. "Flirrend, fast halluzinierend" nennt die SZ Liz Moores Roman über einen dicken Professor in der Krise. Die taz entzaubert mit Lidia Jorge Mythen über die Nelkenrevolution.
Donnerstag, 02.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
02.07.2026 Überwältigt blickt die FAZ in Rosenheim auf Blut, Blitze und Riesenbrüste, die ghanaische Filmplakatmaler auf alte Säcke gemalt haben. Die Zeit erkennt in London, was Frida Kahlo so unverwechselbar machte. Der Guardian staunt ebenfalls in London über die Mikro-Garnituren in den Gemälden von Ferdinand Georg Waldmüller. Die Welt amüsiert sich, wenn Intendant Aviel Cahn sich mit einem Riesenpenis von den Genfern Richtung Berlin verabschiedet. Und der Perlentaucher reist begeistert mit Aleksandre Koberidze und seinem Mobiltelefon durchs georgische Hinterland.
9punkt - Die Debattenrundschau
02.07.2026 Linke Kulturkritik hat Deutschland positiv verändert, aber heute ist der Kulturbetrieb so verknöchert, wie er früher war, meint in der FAZ der CDU-Politiker Rüdiger Kruse und skizziert als Gegenprogramm eine konservative Kulturpolitik. In der taz diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer einen Rechtsruck in Schweden. Der Tagesspiegel liest eine Studie der Soziologin Celine Teney zur Frage, warum so viele Menschen AfD wählen. Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt.
Bücherschau des Tages
02.07.2026 Die taz blättert bewegt in einem Band mit deutsch-jüdischen Fotografien aus den 1930er Jahren. Die SZ betreibt Hochleistungshermeneutik in Emy Koopmans Roman über eine obsessive Liebe. Die FR gibt die Hoffnung auf Frieden im Sudan nicht auf mit Stella Gaitanos Roman "Eddos goldenes Lächeln". Und die Zeit erscheint heute mit kleiner Sommerbeilage: Das perfekte Sommerbuch ist für sie Jutta Persons Essay über Palmen.
Freitag, 03.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
03.07.2026 Die FAZ wünscht sich wieder mehr kleine risikofreudige Filme jenseits großer Budgets. 54books stellt die Onlineplattform Weiter Schreiben vor, die Texten von AutorInnen aus Kriegsgebieten ein Forum bietet. In der Welt erklärt der ukrainische Regisseur Anatolij Lewtschenko die "weiche Propaganda" der Russen in Mariupol. Die taz sehnt sich in Aarhus zurück nach der Renitenz des Punk. Außerdem lauscht sie dem blubbernden Amapiano von Moonshine. Und in der SZ befürchtet der italienische Regisseur Toni Servilio, dass Europa von autoritären Regimen aufgefressen wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
03.07.2026 Die Bundesregierung will das Informationsfreiheitsgesetz quasi abschaffen - in der taz protestiert Arne Semsrott von "fragdenstaat.de". Netzpolitik schließt sich an. In Zeit online prangert der Politiologe Markus Linden eine neue Querfront gegen die Vergangenheitsbewältigung an. In der FR erklärt Nancy Fraser, wie sie eine "explizit antineoliberale Linke formulieren und den Kreislauf Biden-Trump durchbrechen" will.
Bücherschau des Tages
03.07.2026 FR und Dlf Kultur können nur bewundern, wie wenig Angelika Klüssendorf braucht, um das Leben in seiner ganzen Tragikomik darzustellen. Der Dlf Kultur lauscht außerdem gebannt den beiden Meeren, die Siri Ranva Hjelm Jacobsen über das Geziefer Mensch sinnieren lässt. Mit Joachim Bessing begibt er sich auf eine hyperrealistische Entdeckungsreise nach Äthiopien. Die SZ liest gebannt Florian Klenks Aufzeichnungen über die österreichische Serienmörderin Elfriede Blauensteiner. Der Dlf amüsiert sich lieber mit dem Meisterdieb Alexandre Marius Jacob.
Samstag, 04.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
04.07.2026 In der taz blickt die Kunsthistorikerin Jennifer Van Horn auf die Leerstellen in der amerikanischen Kunst. In der SZ rechtfertigt sich Katharina Wagner - und fordert auch den Rest der Familie zur Aufarbeitung der Geschichte auf. FAS und Welt lauschen gebannt dem Schweigen zwischen den Menschen in Eva Trobischs "Etwas ganz Besonderes". Die SZ zieht sich mit Madonna außerdem in den Darkroom des Beichtstuhls zurück.
9punkt - Die Debattenrundschau
04.07.2026 Die USA feiern heute 250 Jahre Unabhängigkeit, doch gute Stimmung will nicht so richtig aufkommen: Die FAZ erinnert daran, dass die amerikanische Verfassung schon von Beginn an das Potenzial zur "Selbstzerstörung" in sich trug. Auch der Historiker Joseph J. Ellis sieht in der FR viele heutige Probleme schon damals angelegt, zum Beispiel den Rassismus. Der Journalist Andrej Zacharow erklärt in der FAS, warum der russische Staat bald in eine "Cyberpunk-Dystopie" abstürzen könnte. Das russische Staatswesen beruht auf einer Fake-Identität, schreibt derweil der Politologe Andrew Chakhoyan in der NZZ.
Bücherschau des Tages
04.07.2026 Hymnisch bespricht die FAZ Angelika Meiers „Feierabend eines Fauns“, der ihr die Verschmelzung von Leben und Kunst beispielhaft vorführt. Sehr angetan ist sie auch von einem Band mit dem gesamten fotografischen Werk von August Kotzsch. Die Welt blickt mit Navid Kermani in Köln in die Kluft zwischen Idee und Wirklichkeit. Außerdem erfreut sie sich einmal mehr an den metafiktionalen Spielchen, die Szczepan Twardoch in seinem neuen Roman mit ihr treibt. Der Dlf freut sich über die kleinen Perlen, die Sigrid Damm in ihren Künstlerporträts versammelt.
Montag, 06.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
06.07.2026 Die Skepsis gegenüber Trumps Amerika wächst: Hält das System der Checks and Balances noch? Selbst einigen Gerichtsurteilen, die das zu belegen scheinen, traut die SZ nicht. In der FAZ befürchtet der Ökonom Adam Posen einen Niedergang der USA durch Trumps offene Korruption. Der Parteitag der AfD belegte eine weitere Radikalisierung - die Zeitungen fragen, wie die Partei das mit ihrer angeblichen Koalitionsfähigkeit in Einklang bringen will. In der FAZ schreibt der einstige SPD-Politiker Michael Roth über die Krise des Bundestags.
Efeu - Die Kulturrundschau
06.07.2026 Fast hypnotisiert betrachtet die NZZ Vilhelm Hammershøis stille Bilder in Zürich. In Stuttgart schwanken Schillers "Räuber" für die Kritiker irgendwo zwischen feministischen Impulsen und abgenutzten Visuals. Die SZ freut sich über einen lärmfreien Entwurf Max Hackes für das Berliner Haus der Jugend. Taz und Zeit werden sich beim neuen Madonna-Album nicht einig. Die FAZ kritisiert den Begriff des "Incel Horror". Braucht man wirklich die Genre-Bezeichnung "Weird Girl-Fiction", fragt die Zeit. Die Fashion Week war dieses Mal wieder sehr berlinig, findet der Tagesspiegel.
Bücherschau des Tages
06.07.2026 Die FAZ beobachtet bei Marceau Miller gespannt die Atomisierung der Existenz eines Schriftstellers. Von Maciej Siembieda und seinem Roman "Katharsis" über eine Familie der griechischen Minderheit in Polen lässt sich sich auch gerne mitreißen. Die NZZ wird von Miroslav Hlaučos Roman um ein abergläubisches Dörfchen über die Schwelle zur Moderne geschubst. Die SZ rennt in Brian Kane Flocas und Sydney Smiths Kinderbuch mit dem Sturm um die Wette und lernt dabei was fürs Leben.
Dienstag, 07.07.2026
Magazinrundschau
07.07.2026 New Lines beobachtet die Demontage des offenen Internets im Iran. Eurozine diagnostiziert eine Feminisierung der politischen Verfolgung in Russland. Russlands territoriale Größe könnte im Ukrainekrieg erstmals sein Verderben werden, meint der Historiker Sergej Medwedew in Dekoder. Die London Review liest Nicolas Sarkozys Gefängnistagebuch. Aktualne berichtet vom Internationalen Bohemistenkongress in Prag. Im MIT Press Reader erklären der Philosoph Roberto Casati und der Psychologe Patrick Cavanagh, warum Künstler seit Jahrhunderten die Schatten falsch malen.
9punkt - Die Debattenrundschau
07.07.2026 Die taz hat eine kleine, aber nicht unwichtige Beobachtung gemacht: In Russland spricht man nicht mehr von "Spezialoperation", sondern von "Krieg". Die FAZ erzählt unterdessen, wie erfolgreich die Ukraine etwa auf der Krim kämpft. Jürgen Kaube in der FAZ und Thomas Schmid in der Welt wenden sich gegen die "Faschismus"-Vokabel, die den Blick auf die AfD eher versperre als schärfe. In der sudanesischen Frontstadt El Obeid droht ein Blutbad, warnt die taz. Die SZ erzählt, wie die Maga-Bewegung die amerikanische Geschichte vom Thema der Sklaverei reinigen will.
Efeu - Die Kulturrundschau
07.07.2026 Die FAZ staunt in Potsdam über die "Lichtmalerei" des Anarchisten Paul Signac, der statt Arbeitern lieber Küsten malte. Der NZZ läuft bei Nikolaus Habjans Inszenierung einer Opernfassung des Dürrenmatt-Stücks "Der Besuch der alten Dame" in München ein Schauer über den Rücken. Der Tagesspiegel vertieft sich in einer Retrospektive im Kino Arsenal in Berlin in die Filme des Eigenbrötlers Jean Eustache. Die taz wundert sich bei der Fashion Week in Berlin über Barock-Vibes.
Bücherschau des Tages
07.07.2026 Die FAZ spürt mit Volker Leppin der Allgegenwärtigkeit Gottes im Mittelalter nach. Christoph Wirtz' Biografie über den Gastrokritiker Wolfram Siebeck mundet ihr hervorragend. Die FR begibt sich mit Claudia Wirsing und Hegel an den Anfang allen Denkens. Dlf zieht sich mit Angelika Overaths "Calanda oder Alvas Antwort" in die Berge zurück, um über Leben, Tod und Glück nachzudenken. Dlf Kultur singt in Robert Macfarlanes und Jackie Morris' Kinderbuch mit der Rohrdommel um die Wette.
Mittwoch, 08.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
08.07.2026 Die FAZ warnt die Ukraine und Polen: Ihr geschichtspolitischer Streit nützt nur Putin. So leicht sind die USA nicht auf Linie, auch nicht auf eine faschistische, zu bringen, meint in der FR der Amerikanist Philipp Gassert, in Deutschland wäre das einfacher. Zeit online ahnt, dass der Tod Ali Khameneis, der jetzt zum Märtyrer gekürt wurde, für die technokratischen Kader der iranischen Revolutionsgarde ein Segen war. Die SZ warnt vor einer Gamifizierung des Drohnenkriegs. Die NZZ erinnert an die Grande Dame der Sterbeforschung, Elisabeth Kübler-Ross, die heute hundert geworden wäre.
Efeu - Die Kulturrundschau
08.07.2026 Critic.de freut sich, wie Eva Trobisch mit ihrem Film "Etwas ganz Besonderes" ein Stück ostdeutsche Gegenwart auf die Leinwand bringt. In Augsburg möchte eine Theaterinitiative gegen den Antisemitismus auf deutschen Bühnen ankämpfen, berichtet die nachtkritik. Die taz besucht eine Cecilia-Vicuñas-Ausstellung nahe Turin und verliert sich in hundert Metern Schafswolle. Die SZ ist hingerissen von der Rapperin Ikkimel, die mit ihrem Song "Fußballmänner" gezeigt habe, dass die Jugend auch heute noch so richtig anecken kann.
Bücherschau des Tages
08.07.2026 Die FAZ versucht mit Daniela Dröschers Essay "Sprechen" die Angst vor dem Nichtverstehen zu bewältigen. Mit Andreas Fischer versucht sie sich aus dem öden Troisdorf zu befreien und landet im Bann eines narzisstischen Schriftstellers. Die FR feiert mit Andrew O'Hagans Roman "Maifliegen" die Jugend und das Leben im Angesicht des Todes. Die NZZ bejubelt mit Kai Grehns Hörspiel-Bearbeitung von Gedichten des Auschwitz-Überlebenden Tadeusz Borowski eine "große Hostie der Audio-Kunst". Dlf staunt über die grausam-großartige Sprache von Inga Machel.
Donnerstag, 09.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
09.07.2026 Marine Le Pen ist zwar in zweiter Instanz verurteilt, aber sie darf kandidieren - und sie hat wohl die größten Aussichten, Frankreichs nächste Präsidentin zu werden, fürchtet Le Point. Die FAZ hofft dagegen, dass ihr die Wähler ihre finanziellen Mauscheleien nicht verzeihen. Die Fußball-WM ist mehr oder weniger eine französische Angelegenheit, konstatiert die taz: 99 der nominierten Spieler sind auf französischem Boden geboren, auch wenn sie für Algerien, Haiti, die DR Kongo und Senegal spielen. Im philomag skizziert der palästinensische Aktivist Hamza Howidy einen künftigen Frieden. Die SZ beschreibt die gefährlichen Umtriebe des Rechtspopulismus in Polen.
Efeu - Die Kulturrundschau
09.07.2026 Aktualisierung: Der Büchnerpreis geht in diesem Jahr an Christine Wunnicke. Die FAZ greift nochmal die Wenders-Kinski-Debatte auf und empfiehlt statt bigotter Verurteilung der Vergangenheit eine "Selbstüberprüfung in der Gegenwart". Die Nachtkritik verfolgt in Jena das Schicksal der Kassandra als antikes Biopic mit Gegenwartsbezug. Der Tagesspiegel ist hocherfreut über die Rekonstruktion der Villa Rezek bei Wien, einer "Ikone des Neuen Bauens". Die Welt geht unter, aber der Popmusik fällt nichts besseres ein als Selbstliebe, schäumt die taz.
Bücherschau des Tages
09.07.2026 Die FAZ nimmt mit Valentin Groebner die Mittelalterbegeisterung der Linken in den achtziger und neunziger Jahren unter die Lupe. Die NZZ fällt mit Hermann Burgers Theaterstück "Die Scheintoten" mit Begeisterung dem Wahnsinn anheim. Die Zeit empfiehlt Svenja Leibers Roman "Nelka" über das Schicksal einer polnischen Zwangsarbeiterin während der NS-Zeit. Dlf zieht den Hut vor Adèle Yon und ihrem Psychiatrie-Roman "Mein wahrer Name ist Elisabeth". Und Dlf Kultur bewundert, wie der futuristische Lyriker Michajl Semenko in seinen Versen Sprachkunst und politische Wut vereinte.
Freitag, 10.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
10.07.2026 In der FR spricht Harald Jähner über die Geschichte der Vertriebenen - sie wurden gehasst, aber sie waren auch Agenten der Modernisierung. Die NZZ betrachtet die Radikalisierung der Demokratischen Partei in den USA mit Sorge. Sorge auch bei der SZ - über die alarmierenden Zahlen des Börsenvereins zum Buchmarkt. Und über den Deutschlandfunk.
Efeu - Die Kulturrundschau
10.07.2026 Die Literaturkritiker gratulieren dem Fabelwesen der deutschen Literaturszene Christine Wunnicke zum Büchnerpreis: taz und NZZ würdigen ihren diabolischen Humor, die FAZ lobt ihren Eigensinn. Die SZ ist empört über den Umgang der Münchner Politik mit Kammerspiel-Intendantin Barbara Mundel, für die sich offenbar niemand zuständig fühlt. Die Musikkritiker trauern um Bonnie Tyler: Der FR war sie ein Vorbild, wie man nach einer Niederlage sein Krönchen wieder richtet. "It's a Heartache", ruft Zeit online.
Bücherschau des Tages
10.07.2026 Dlf Kultur bewundert den Farbreichtung in Mia Coutos Roman "Der blinde Fluss", der in den einstigen portugiesischen Kolonien spielt. Die ungarische Autorin Kinga Toth, die auch auf deutsch schreibt, erzählt in ihrem Gedichtband "Mariamachina" Leben als oppositioneller Künstlerin unter verschärften Bedingungen - sehr zur Freude des Deutschlandfunks. Die FAZ komplettiert ihren Einblick in Gerhard Henschels Autofiktion mit der Ariel-Klementine-haften "Oma Jever".
Samstag, 11.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
11.07.2026 In der SZ warnt Anne Applebaum: Wenn es den Republikanern gelingt, bei den Zwischenwahlen zu manipulieren - dann war's das mit den freien Wahlen in den USA. Viele in Deutschland (und ganz besonders die taz) sind stolz und gerührt, dass sich sich als "Antifaschisten" den "Faschisten" entgegenstellen. Aber im Perlentaucher und in der Welt gibt es Zweifel an diesem idyllischen Selbstbild. Bei den Grünen haben einige Männer eigenmächtig angefangen, über Männlichkeitsbilder zu diskutieren - die Partei ist laut FAS entsetzt. Das "Problem Deutschland" ist zurück, fürchtet die NZZ - und es stärkt die Rechtspopulisten in Frankreich und Polen.
Efeu - Die Kulturrundschau
11.07.2026 Die SZ feiert beim Festival d'Avignon Kunst und Mord, die Poesie und das Böse in Julien Gosselins Spektakel "Maldoror". Die Welt macht es sich in Avignon lieber richtig ungemütlich mit Carolina Bianchis "Uma Luz Cordial", das die Brutalität eines sensationslüsternen Literaturbetriebs ausleuchtet. Die taz porträtiert die Lyrikerin Ann Cotten. Die SZ erzählt, wie Odysseus von Übersetzerinnen gesehen wird: als einfallsreicher Heiratsschwindler. Die FAZ bestaunt Wunderwerke der Lichtmalerei im Kunst Museum Winterthur. Die Welt bewundert das edle Understatement des neuen Konzertsaals für das Musikfestival "Rencontres" in Evian-les-Bains.
Bücherschau des Tages
11.07.2026 Fasziniert liest die FAS Anousch Mullers neuen Roman "Lori" - nochmal ein Buch über die DDR, die Stasi und Traumatisierungen, aber doch ein ziemlich anderes. Die taz lernt in Christian Goeschels und Daniel Hedingers "München 38", was die Münchner Konferenz mit dem Kolonialismus zu tun hat. Außerdem nähert sie sich der Lyrikerin Ann Cotten, die Derrida lieber auf japanisch liest. Einige Bücher setzen sich mit der direkten Nachkriegszeit auseinander, etwa Angelina Pils' "Schneider/Schwerte", über den Germanisten Hans Schwerte, der mal der Nazi Ernst Schneider war, besprochen in der FR. Die NZZ feiert Hal Ebbotts Familienroman "Unter Freunden".
Montag, 13.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
13.07.2026 In der FAZ schlägt der Filmhistoriker Rainer Rother Alarm: Zu wenig Geld wird für die Sicherung des Filmerbes locker gemacht. Früher oder später wird KI das Niveau von Midcult-Literatur erreichen, ist sich die Jungle World sicher. Die Kritiker geben sich die Klinke in die Hand, um dem toten Wal Timmy im Hamburger Ernst Deutsch Theater die letzte Ehre zu erweisen. Die FAZ lässt sich von den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša mitreißen. Und sie bestaunt im Prado die gülden leuchtende Kunst des Spätmittelalters.
9punkt - Die Debattenrundschau
13.07.2026 In der taz wehrt sich die aserbeidschanische Autorin Nika Musavi gegen eine erzwungene Dekolonialisierung ihrer russischen Muttersprache. In der FAZ bedauert Jan Philipp Reemtsma die Denkfaulheit seiner Kritiker. In der NZZ erklärt der Essayist Hussein Aboubakr Mansour, warum Konservative und Liberale mehr gemeinsam haben, als sie denken. Bei Zeit online unterstützt die Philosophie-Professorin Rahel Jaeggi die Enteignung von Immobilien, die sie nicht als Umverteilung betrachtet, sondern als Transformation von Eigentum.
Bücherschau des Tages
13.07.2026 Die FR findet es geradezu brillant, wie Szczepan Twardoch in seinem neuen Roman "Sehnsucht" durch die Kontinente und Jahrhunderte wirbelt. Die NZZ gibt sich der Melancholie in Hans-Ulrich Treichels Roman "Das Karussell" hin, in dem sich ein gealterter Hochschullehrer auf die Suche nach seiner Jugend macht. Die SZ befällt das Grauen, wenn sie mit Axel Spilcker in dessen dunkle Familiengeschichte blickt, nämlich auf das Leben seines Großvaters, des NS-Reichsorganisationsleiters Robert Ley. Dlf empfiehlt Constanze Neumanns Kinderbuch über eine Mädchenfreundschaft zwischen DDR und Westdeutschland.
Dienstag, 14.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
14.07.2026 Die Jüdische Allgemeine zitiert Bernard-Henri Lévy: Die fehlende Unterstützung für Israel wird als Schande in die Geschichte eingehen. In der FR bleibt Eva von Redecker dabei: Es droht Faschismus, und man kann sich nicht "Antifaschist" nennen, wenn man nicht Demos gegen Israel unterstützt. Was soll der Westen tun? Letztlich wird er Putin den Sieg gewähren, prognostiziert Viktor Jerofejew in der FAZ und scheint das ganz ok zu finden. Wie umgehen mit Traumata - fragen sich Deutsche fünf Jahre nach der Ahrtalflut und Franzosen zehn Jahre nach dem Attentat von Nizza.
Efeu - Die Kulturrundschau
14.07.2026 Der Guardian huldigt in der Tate Modern den archaischen Fruchtbarkeitsgöttinen der Künstlerin Ana Mendieta. Der Schriftsteller Dinaw Mengestu ist als Präsident des amerikanischen PEN-Clubs zurückgetreten - wegen eines Artikels, der Antisemitismus anprangert, konstatiert die Welt fassungslos. In zwei Jahren wird man einen KI-Film nicht von einem gefilmten unterscheiden können, versichert der SZ die Produzentin Cecilia Shen. Und die Filmkritiker trauern um den Schauspieler Sam Neill, der leichtfüßig zwischen Blockbuster und Autorenfilm tänzelte.
Magazinrundschau
14.07.2026 Le Monde schickt eine Reportage über die Homosexuellen im Senegal, die inzwischen auch vom Staat aufs Korn genommen werden. Die New York Times lernt: Nicht nur Hacker können Daten klauen, auch britische Einbrecher. Andererseits gibt es die chinesische Hackergruppe Volt Typhoon, die mindestens genauso geschickt ist, lernt Wired. Eurozine erkundet das rebellische Potential von Pop-Phänomenen in China. Der New Yorker stellt ein Buch über die amerikanischen Kulturkämpfe seit den 1980ern vor. Der Observer erinnert an ein hochbezirztes Vogue-Porträt der Assad-Ehefrau Asma. Die London Review bemüht sich um einen Termin beim Oba von Benin.
Bücherschau des Tages
14.07.2026 Die FAZ geht mit Paulina Spiechowiczs Roman über ein polnisches Geschwisterpaar, das in einem Flüchtlingslager im italienischen Ostia aufwächst, durch ein Wechselbad der Emotionen. Die FR hat eine gute Zeit mit Johanna Sebauers Doppelgänger-Roman "Popóm". Die SZ findet Trost in der Menschenliebe von Angelika Klüssendorfs neuem Buch. Die taz empfiehlt nachdrücklich Gusel Jachinas Roman über das Leben von Sergej Eisenstein. Die Welt vertieft sich in Stephan Möschs reichhaltige Geschichte der Bayreuther Festspiele.
Mittwoch, 15.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
15.07.2026 Geht Bayern bald besser mit NS-Raubkunst um? Die SZ ist angesichts des Vorschlags für eine neue unabhängige Expertenkommission vorsichtig optimistisch. Die nachtkritik plädiert mit Blick auf die Münchner Kammerspiele für ein Theater, das die Vielfalt gegen einen konservativen Backlash verteidigt. Eine Münchner Aufführung der Händel-Oper "Alcina" spaltet die Feuilletons: Die SZ bejubelt farbenprächtigen Barock-Sound, die Welt echauffiert sich über billige Kitsch-Kulissen. Der filmdienst fragt sich, warum Homers "Odyssee" so häufig verfilmt wird.
9punkt - Die Debattenrundschau
15.07.2026 Droht ein neuer Faschismus in Deutschland? Durs Grünbein will in der FAZ nicht über den Begriff diskutieren, sondern die Zeichen lesen - wie die jüngsten Attacken der AfD gegen das Bauhaus. Die FR findet Gemeinsamkeiten zwischen den Ideen der Tech-Giganten und denen des Futurismus. Marine Le Pen präsentiert sich als Jeanne d'Arc, ist aber nur eine Betrügerin, meint in der NZZ der Philosoph Pascal Bruckner. In der SZ analysiert Herfried Münkler die Strategie des Iran im Krieg mit den USA. In der taz warnt der Analyst Robin Yassin-Kassab davor, die Kriegsverbrechen in Syrien unaufgearbeitet zu lassen.
Bücherschau des Tages
15.07.2026 Die FAZ fährt mit Raimund Schulz und Odysseus zur See. Von Fritz Breithaupt lässt sie sich erklären, nach welchen Mustern sich menschliche Erfahrung formt. Die NZZ begibt sich mit Szczepan Twardoch und Bergmann Erwin Piontek auf eine imaginäre Weltumseglung durch die Jahrhunderte. Dlf Kultur bewundert, wie Elise Schmitt in ihren Erzählungen auf behutsame Weise der "Menschenschwere" entkommt.
Donnerstag, 16.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
16.07.2026 Die Filmkritiker sind sich uneins über Christopher Nolans "Odyssee"-Verfilmung: Einen erfreulich nahe an Homer angelegten Horrortrip erlebt die SZ. Der Perlentaucher wird noch einmal an die vergangene Glorie Hollywoods erinnert. Die Welt vermisst allerdings den Sex. Der Guardian erkennt in einer Enid-Marx-Ausstellung, wie lang die Briten in der Tube unbemerkt auf Botschaften über afrikanische Kunst saßen. Die Zeit amüsiert sich in Essen mit Gustave Courbet, der sich auch mal als Leiche oder Forelle malte.
9punkt - Die Debattenrundschau
16.07.2026 Kamel Daoud erklärt im Interview mit der NZZ, was die Linke falsch macht im Umgang mit dem Islam in Europa. Ägypten wird von einer Militärdiktatur regiert, erklärt der Aktivist Hossam el-Hamalawy in der FR, warum unterstützen es ausgerechnet Deutschland und Frankreich? Die SZ berichtet über die gescheiterte Wahlreform Giorgia Melonis, die FAZ über die antiukrainische Stimmung in Polen und die Zeit über ein Geheimtreffen deutscher Politiker mit russischen in Baku.
Bücherschau des Tages
16.07.2026 Die Zeit entdeckt dank Heinz Strunk die düstere Komik, die im Ende einer Beziehung stecken kann. Zur "Weltliteratur" erklärt sie Margaret Laurence' Roman "Glückliche Tage". Ein mutiges Buch annonciert der Dlf mit Christine Koschmieders "Ein Haus für mich", in dem sich die Autorin zur Selbstbefragung nach Dessau begibt. Die taz bewundert das Einfühlungsvermögen, mit dem Megan Nolan vom Leben im Irland der Siebziger erzählt. Und der Dlf Kultur lernt dank Björn Kröger, was sich unter dem Faulschlamm des Stechlinsees verbirgt.
Freitag, 17.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
17.07.2026 Die FAZ bewundert im Tel Aviv Museum Hunderte von Werken, die der Kunsthistoriker Karl Schwarz vor den Nazis rettete. Außerdem freut sie sich, dass Deep Purple so "unideologisch zeitlos" bleibt. Das ZDF hat einen Auftritt von Igor Levit und Danger Dan gecancelt, die Künstler für die Absage aber eigens anreisen lassen, kritisiert der Tagesspiegel. Die Welt ruft jenen, die von grünen Städten träumen, zu: Nicht Bäume, sondern Verdichtung bietet Kühlung.
9punkt - Die Debattenrundschau
17.07.2026 In allen Zeitungen wird darüber diskutiert, dass sich Jens Spahn im Ausland über die deutschen Gesetze zu Leihmutterschaft hinwegsetzte und sich einen kleinen Sohn zulegte. Politisch hatte er sich selbst dagegen ausgesprochen. Der AfD-Chef von Sachsen-Anhalt wünscht sich eine "neutrale" Berichterstattung - die FAZ antwortet mit einer Art Brief. Zum Mandela-Gedenktag ruft die ausländerfeindliche "March and March" zu weiteren Aktionen gegen Migranten auf, berichtet ebenfalls die FAZ. Das Humboldtforum wird fünf - so richtig froh ist der Tagesspiegel immer noch nicht damit.
Bücherschau des Tages
17.07.2026 Die Welt liest interessiert, aber auch amüsiert Witold Gombrowiczs Erinnerungen, in denen der polnische Schriftsteller unter anderem die lateinamerikanische mit der östlichen Mentalität vergleicht. Poesie von einem anderen Stern entdeckt die FR in Martin Piekars autofiktionalem Roman über eine deutsch-polnische Mutter-Sohn-Beziehung. Der Dlf lässt sich von Telmo Pievani die Fehler der Evolution erklären. Und der Dlf Kultur lernt von Isabel Pin, wie man Kindern Nachhaltigkeit nahebringt.
Samstag, 18.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
18.07.2026 Geschichte und Gegenwart lassen sich schwer trennen: Die NZZ beleuchtet den Geschichtsstreit zwischen Polen und der Ukraine, der die Gegenwart der beiden Länder vergiftet. Die FAZ forscht in der Vergangenheit des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic, der sich einst seiner Verdienste um die Belagerung Sarajewos brüstete. Gewiss, Tucker Carlson ist rechts, konzediert die taz, aber hat er bei Israel nicht recht?
Efeu - Die Kulturrundschau
18.07.2026 Wenn das Humboldt Forum eh angeblich nur Raubkunst zeigt, kann man es entweder ganz schließen oder auf historische Aufklärung setzen, meint die FAZ und setzt dabei aufs DHM. Es soll eine neue Internationale Bauausstellung in Berlin geben, in acht Jahren, berichtet die taz. Die Musikkritiker diskutieren weiter über Danger Dan, der mit "Keine Angst" nicht im ZDF auftreten darf. Zeit Online ist ganz für Subversion gegenüber Rechtsextremen und der AfD, aber Grüße an die militante Antifa-Hammerbande gehen gar nicht. Die SZ stört die romantische Selbstüberhöhung im Song. Skandalös wäre die Ausstrahlung gewesen, ruft die Welt. In der FR erzählt Jason Stanley, warum er nicht nach Deutschland emigriert.
Bücherschau des Tages
18.07.2026 Die angeregte FAZ begegnet bei Ann Cotten dem Weltall als Grünkohl. Mit Stanislaw Vincenz mischt sie sich in den Karpathen unter Huzulen, Chassidim und Rachmanen. Die FR lernt in einer neuen Werkausgabe Joseph Roth als begnadeten Erzähler kennen. Die NZZ durchlebt mit Angelika Klüssendorfs "Trost" Freuden und Leiden in einer Patchworkfamilie. Der Dlf taucht mit Damien Ober ins Voidverse.
Montag, 20.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
20.07.2026 Das Vertrauen der Europäer in die Nato war ein Maginot-Linie-Denken, konstatiert Ivan Krastev in der NZZ - aber die Zeit der Kriege war nie vorbei. Der Rücktritt Jens Spahns als Fraktionsvorsitzender der CDU ist richtig, finden die meisten Zeitungen. Der Holocaust lässt sich nicht aus dem Kolonialismus erklären, insistiert Richard Evans in der NZZ. In der SZ erklärt Matthias Brandt seinen Abscheu vor Uwe Steimles Stauffenberg-Vergleichen. Wenn die Nazis bei Sachsens Jugend wieder en vogue sind, liegt das auch am Bildungssystem, sagt die Autorin Manuela Müller im Tagesspiegel.
Efeu - Die Kulturrundschau
20.07.2026 Die Kontroverse um Danger Dan, Igor Levit und das ZDF geht weiter: Die taz sieht in dem Song "Keine Angst" keinen Aufruf zur Gewalt, die FAZ ist genervt vom Drama. Auf den Wormser Nibelungenfestspielen können die Kritiker lernen, was mit Kriemhild am Hof der Hunnen passiert ist, allerdings mit etwas zu viel Soap-Feeling. Die taz lernt die rätselumwobene Designerin Madame Grès kennen. Die Zeit ärgert sich darüber, wie unausgewogen über Dark Romance-Bücher diskutiert wird. Die FAZ lässt sich von Thomas Demands Fotos von Bühnenmodellen verzaubern.
Bücherschau des Tages
20.07.2026 Die FR liest die Lyrik der rumänischen Dichterin Dana Ranga atemlos wie einen Thriller. Die taz ist schockiert angesichts Francis Dupuis-Déris Buch über den Mord von Louis Althusser an seiner Frau Hélène Legotien, den die französischen Intellektuellen verharmlosten. Die SZ studiert Bücher zum Thema Staatsräson von Kai Ambos und Fabian Goldmann. Dlf Kultur gründet mit Maria Reva "Ein Königreich für eine Schnecke". Dlf geht mit Martin Muser auf Glücksuche im Westberlin der späten 1980er Jahre.
Dienstag, 21.07.2026
Magazinrundschau
21.07.2026 Kulturkämpfe, wo man hinguckt: Isaac Butler erzählt im Guardian, wie Linke und Rechte seit den achtziger Jahren die Klingen schärfen. New Lines erzählt, warum dem türkischen Comedian Deniz Göktaş sechs Jahre Haft drohen. In Fathom fragt der britische Schriftsteller Howard Jacobson, seit wann es okay ist, einen unbewiesenen Genozidvorwurf als Tatsache hinzustellen. In der New York Times glaubt Zohran Mamdani, viele Demokraten würden sich einfach nur nicht trauen, von einem Genozid Israels zu sprechen. Die LRB schwelgt in Federn. HVG sucht eine ungarische Beerdigungskultur.
9punkt - Die Debattenrundschau
21.07.2026 "Man darf Frauen nicht gegen ihren erklärten Willen vor sich selbst schützen", sagt die verhinderte Bundesverfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf in Zeit online und plädiert darum für eine Zulassung von Leihmutterschaft. In Le Point staunt Kamel Daoud über eine Rede des burkinischen Junta-Chefs Ibrahim Traoré, der in einer Rede die Geschichte des arabischen Sklavenhandels anprangerte. Die FR blickt auf Jürgen Habermas' Eröffnung des "Historikerstreits" vor vierzig Jahren zurück. Die taz fragt, ob die "Baseballschlägerjahre" in Sachsen-Anhalt je vorübergingen.
Efeu - Die Kulturrundschau
21.07.2026 Die FAZ feiert 150 Jahre Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner erzählt, warum ein Teil des Familien-Nachlasses für die Forschung freigegeben wird. Dirigent Christian Thielemann gibt Tipps für eine gute Wagner-Aufführung: man achte auf die Mendelssohn-Einflüsse. Die taz denkt beim Betrachten der Milieu-Fotografien von Shamal Shabazz wehmütig an das New York der Achtziger zurück. Die SZ dankt den Kinogöttern, dass Christopher Nolans "Odyssee"-Film die Kinokassen füllt. Die Welt vermisst die Zeiten als große Stars noch "mythische Wesen" waren.
Bücherschau des Tages
21.07.2026 Die NZZ trifft bei Stanislaw Vincenz huzulische Bauern in den Karparten, Priester und mythische Räuberfiguren. Die FR kann gar nicht genug bekommen von Rainer Klouberts Spaziergängen in Pekings "Verbotener Stadt". Die FAZ freut sich über Bücher von Laurenz Lütteken und Stephan Mösch, die Richard Wagner und die Bayreuther Festspiele in vielen Facetten durchleuchten. Die Welt taucht mit Michael Riepl in die Geschichte der deutschen Minderheit in Russland ein. Dlf lobt Maria Revas Romandebüt "Ein Königreich für eine Schnecke", in dem drei Frauen in der Ukraine westliche Heiratstouristen auf die Schippe nehmen.
Mittwoch, 22.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
22.07.2026 Der Tip Berlin fragt, warum das mit öffentlichen Geldern geförderte Berliner Kino Babylon einen lupenreinen russischen Propagandafilm zeigt. David Schalkos Serie "Braunschlag 1986" zeigt uns laut SZ, dass früher auch nicht alles besser war. Die taz begeistert sich auf der Venedig-Biennale für Videokunst von Roman Khimei und Yarema Malashchuk, die lehrt, in kriegsversehrten ukrainischen Gesichtern zu lesen. In Serbien überlässt die Vučić-Regierung ein renommiertes Theaterfestival den Zensoren, warnt der Standard.
9punkt - Die Debattenrundschau
22.07.2026 Navid Kermani fordert in seiner Rede zum feierlichen Gelöbnis die Rekruten auf, sich - anders als Bundeskanzler Friedrich Merz - immer ans Grundgesetz zu halten. In der SZ kritisiert die Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger den Graubereich, den die Altparteien bei der öffentlichen Finanzierung von Parteienstiftungen und der politischen Bildungsarbeit geschaffen haben, und den jetzt auch die AfD nutzt. In der New York Times sieht Omer Bartov schon eine Armee entrechteter palästinensischer Sklaven in Gaza die Häuser reicher Amerikaner und Juden putzen. Die taz schildert, wie sich die queere Community zerlegt: Und immer geht es um Israel.
Bücherschau des Tages
22.07.2026 Die NZZ bewundert, wie kunstvoll T.C. Boyle auch in seinem neuen Erzählband die vielfältigen "Bereiche der menschlichen Existenz" ausleuchtet. Die FR macht mit Winny Ang, Marijn Brouckaert und Eleni Debo eine Zugreise in die Fantasie. Mit David Bröderbauer durchwandert sie vergessenes Ödland und ruft begeistert aus: mehr Brachen wagen! Dlf sucht mit Liz Allans Nirvana-begeisterten Teenagern einen Ausweg aus Armut und Sexismus im Australien der Neunziger.
Donnerstag, 23.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
23.07.2026 Sind Leihmütter überhaupt Mütter? In den USA sind sie nur noch Surrogatträger, berichtet die FAZ. Die größte Sorge für Leihmütter sei nicht, das Kind abgeben zu müssen, sondern es nicht abgeben zu können, informiert die Familientherapeutin Petra Thorn in der Zeit. Weniger Bürokratie für die Wirtschaft, aber mehr Bürokratie für die Armen? Das ist ein autoritärer Staatsumbau, kritisiert der Soziologe Dominik Piétron in der taz. Ähnlich sieht das in der FAZ der Staatsrechtler Friedrich Schoch bei der geplanten Änderung des Informationsfreiheitsgesetzes. In Frankreich fragt Le Point: "Warum stimmen unsere Kinder für Mélenchon?"
Efeu - Die Kulturrundschau
23.07.2026 Die SZ widmet den Bayreuther Festspielen zu ihrem Jubiläum ein Dossier: Unter anderem erzählt der israelische Schriftsteller Etgar Keret, warum seine Mutter Wagner hörte, trotz dessen Antisemitismus. Der Guardian erhascht dank eines Fotobandes von Jem Southam einen Einblick in die geheime Skulpturenwelt des Künstlers Ray Exworth. Die Filmkritiker trauern um den Sprücheklopfer, Gammler und Lebenskünstler Werner Enke, der dem bierernsten jungen deutschen Film zu ein bisschen mehr Leichtigkeit verhalf.
Bücherschau des Tages
23.07.2026 Die taz lässt sich mit einer von Björn Hayer herausgegebenen Anthologie an lyrische Nicht-Orte entführen. Die NZZ versucht mit Martin Zimmermann in versunkenen Städten das Wesen des Menschen der Antike zu ergründen. Dlf Kultur lernt derweil von Sam Kean, römische Frisuren zu gestalten und Hirschleder mit einer Mischung aus Gehirn und Eiern zu gerben. Mit Markus Bernauer erkundet Dlf Kultur die Gesellschaftskritik im Porno des deutschen Libertinismus. Die Zeit überlegt mit Tom Kummer, Kim Jong-un einen Besuch abzustatten. Und die FAZ dankt Reinhard Wulfhorst für die Erinnerung an den jüdischen Musiker Robert Kahn.
Freitag, 24.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
24.07.2026 Die Opernkritiker erliegen in Damiano Michielettos opulenter Verdi-Inszenierung in Bregenz vor allem der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen. Der Tagesspiegel lernt im c/o Berlin, wie digitale Bilder zu "grausamem Optimismus" verführen. Besonders viele Verlage scheinen sich nicht um Günter Grass zu reißen, vermutet die SZ nach der Insolvenz des Steidl Verlags. Und VAN glaubt nicht an eine Krise der Neuen Musik.
9punkt - Die Debattenrundschau
24.07.2026 Es will hier zwar niemand hören: Aber auch Russland war und ist eine Kolonialmacht, stellt die taz fest. In Frankreich treiben es linke Antisemiten so weit, dass selbst Linke dagegen protestieren, notiert Nora Bussigny in Le Point nach einem Angriff auf die DJane Barbara Butch. Die NZZ klopft Pierre Bourdieu, die FR Hannah Arendt auf ihre Aktualität ab. Die EU hat eine Strafe gegen Google verhängt, richtig so, findet die SZ, aber die europäische Abhängigkeit ist damit nicht beendet.
Bücherschau des Tages
24.07.2026 Die FAZ annonciert mit Julia Decks Roman "Die Wahrheit über Ann" eine der bestern Neuerscheinungen des Jahres. So gern wie mit T.C. Boyle blickt die FR selten in Abgründe. Die taz lernt alles über Fußball dank einer Graphic Novel von Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia und Lelio Bonaccorso. Der Dlf erfährt von Thomas Greven, wie gut die radikale Rechte international vernetzt ist. Und der Dlf Kultur blickt mit Geertjan de Vugt Virginia Woolf und Piero Manzoni auf die Finger.
Samstag, 25.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
25.07.2026 Die Zeitungen diskutieren weiter über Leihmutterschaft: Die amerikanische Soziologin Heather Jacobson plädiert bei Zeit Online dafür, Leihmutterschaft als Arbeit zu begreifen, der Rechtswissenschaftler Klaus Ferdinand Gärditz legt in der FAZ dar, wie das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper an die Grenzen von Gemeinwohlbelangen stößt. In der FAS erkennt Götz Aly Parallelen zwischen den Methoden Hitlers und der AfD. Der will Wolfram Weimer in der Welt mit einer Rückbesinnung auf die "großen Traditionslinien Deutschlands" entgegentreten. Und in der NZZ setzt sich Sergej Gerassimow für den Erhalt der russischen Sprache in der Ukraine ein.
Efeu - Die Kulturrundschau
25.07.2026 Der Exodus iranischer Filmschaffender nimmt ähnliche Dimensionen an, wie die Emigrationswelle verfolgter Künstler unter dem Nationalsozialismus, konstatiert die WamS. Die FAZ ist skeptisch, dass eine Abstimmung über das neue Design der Euroschein-Entwürfe die Europäer näher zusammenrückt. Monopol bestaunt in einer Ausstellung über die Geschichte des Krankenbetts die prächtig bestickte Bettwäsche der Künstlerin Poppy Nash. Die Zeit befasst sich mit den Verkaufsstrategien der Bestseller-Autorin Caroline Wahl.
Bücherschau des Tages
25.07.2026 Die FAS ist überzeugt von Maggie Nelsons Gegenüberstellung von Taylor Swift und Sylvia Plath, beides Dichterinnen ihres eigenen Lebens. Die taz findet hingegen nicht, dass der Popstar und die Dichterin so viel gemeinsam haben. Die FAZ vertieft sich in Hillel Cohens Buch über Teile der arabischen Bevölkerung, die zwischen 1917 und 1948 mit Juden zusammenarbeiteten. Die FR ist haltlos begeistert von Didier Eribons Biografie über Michel Foucault. Die SZ lobt in höchsten Tönen, wie T.C. Boyle in seinem neuen Buch elegant und melancholisch zugleich von den USA erzählt.
Montag, 27.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
27.07.2026 Michel Friedman hält seine Rede in Bayreuth, vielleicht markiert sie einen Wendepunkt in der Festspielgeschichte und ihrer Aufarbeitung, hoffen die Kritiker. Charlie XCX huldigt auf ihrem Album dem Minimalismus der Rockmusik, verkündet der Standard. Die SZ ärgert sich über Rockstar-Rentner. Wie schön, dass Bruno Tauts Waldsiedlung Zehlendorf nun auch endlich Weltkulturerbe ist, freut sich die FAZ, die taz ist eher skeptisch. Lee Millers Fotografien zwingen die NZZ in Paris zum genauen Betrachten.
9punkt - Die Debattenrundschau
27.07.2026 Das islamistische Attentat auf den Berliner CSD löst schockierte, ratlose und vorhersehbare Reaktionen aus. Der bei der Festnahme erschossene Täter ist in Berlin aufgewachsen und sozialisiert. "Islamistische Homofeindlichkeit" werde systematisch kleingeredet, vor allem von SPD, Grünen und Linkspartei, kritisiert Extremismusforscher Hendrik Hansen im Tagesspiegel. taz und SZ warnen vor eine Instrumentalisierung des Attentats von rechts. Die Soziologen Armin Nassehi und Irmhild Saake fragen in Zeit online nicht, ob Soziologe generell gesehen links sei - sondern warum das so ist.
Bücherschau des Tages
27.07.2026 Die NZZ spürt bei Nikhil Krishnan das intellektuelle Knistern im Oxford der Jahre 1920 bis 1960. Die FAZ lässt sich sich von Màriam Ben-Arabs und Volker Schmitts postapokalyptischer Kinder-Graphic Novel mitreißen. Dlf folgt Ludwig Volbedas jungem Helden Jip auf seiner Identitätssuche in die Natur. Dlf Kultur lobt Stephan Thomes genaues Auge für das Leben in der Provinz.
Dienstag, 28.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
28.07.2026 Die Queer-Bewegung hat den Islamismus viel zu lange ignoriert, kritisiert die taz. Auch die deutschen Behörden verschließen die Augen vor einem institutionalisierten Islam hierzulande, der offen für Extreme ist, meint Güner Balci in der SZ. Ein Teil unserer Freiheit ist längst verlorengegangen, warnt Ahmad Mansour in der NZZ. In der taz wirft die britisch-bangladeschische Forscherin Zara Rahman den Deutschen vor, sie würden im Umgang mit den Muslimen ihre "schlimmsten Fehler wiederholen". In der Türkei wurde eine neue Partei gegründet, die Erdogan die Stirn bieten könnte - vorausgesetzt, ihre Mitglieder landen nicht alle im Gefängnis, berichtet die SZ.
Efeu - Die Kulturrundschau
28.07.2026 In Bayreuth war zum ersten Mal Wagners Jugendwerk "Rienzi" zu sehen, die Kritiker sind geteilter Meinung: Die SZ verfällt in einen regelrechten "Begeisterungsrausch" ob der Gegenwärtigkeit der Inszenierung, FAZ und FR meinen: das hätte man in der Schublade lassen können. Der rumänische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Norman Manea hat seinen Vorlass der Berliner Akademie der Künste überlassen: ein bedeutendes Zeichen, kommentiert die NZZ. Jungle World erzählt uns die Geschichte des Math-Rock.
Magazinrundschau
28.07.2026 In Equator setzt Arundhati Roy nur vorsichtig auf die Bewegung der Küchenschaben zur Rettung der Demokratie Indiens. In The Ideas Letter denkt Mark Leonard darüber nach, wie rechte Bewegungen die alten Parteien verdrängen konnten. In Tunesien wird die Mär von einem großen Bevölkerungsaustausch immer populärer, beobachtet Africa is a Country. Der Guardian beschreibt einen Irak, der zwischen den USA und Iran eingeklemmt ist und auch von innen bekämpft wird. Der New Yorker befasst sich mit den "Frenchmen". In The Point erzählt Carlo Ginzburg, wie er den Opfern eine Stimme geben wollte und sich plötzlich auf einer Seite mit dem Inquisitor wiederfand.
Bücherschau des Tages
28.07.2026 Die FAZ ist hellauf begeistert von Alexandre Labruffes Roman "Cold Case", in dem sie eine "heilende Psychogenealogie Koreas" ausmacht. Außerdem jubelt sie über Gabriela Adamesteanus neuen Roman "Stimmen auf Abstand", der das Leben einer rumänischen Ärztin erzählt. Die Welt taucht mit John Horne Burns Schilderungen seiner Soldatenzeit in Italien ein in eine Existenz zwischen Glücksuchern und Todgeweihten. Dlf Kultur schwärmt von John Hendrix kunstvoll gestalteter Doppelbiografie über C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien.
Mittwoch, 29.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
29.07.2026 Während sich die westliche Kultur durch das Verlegen von Büchern auszeichnete, scheint sich Künstliche Intelligenz auf das Zerlegen von Büchern spezialisieren zu wollen, berichtet die NZZ. "Destruktiv gescannt" wird dabei vor allem das "Moderne Antiquariat", ergänzt die Welt. Das CSD-Attentat beschäftigt die Medien weiter - der Attentäter war einer von 9.110 Menschen, die in Deutschland dem "gewaltorientierten islamistischen Personenpotenzial" zugerechnet werden, so die FAZ. Die Erinnerung an den Gulag ist mit der Schließung des Moskauer Gulag-Museums in Russland nun endgültig abgeschafft, erzählt Hubertus Knabe in seinem Blog.
Efeu - Die Kulturrundschau
29.07.2026 Festspiele-Fieber in den Feuilletons: Peter Handkes "Schnee von gestern, Schnee von morgen" wird in Salzburg uraufgeführt und stößt auf verzückte Reaktionen. Die FAZ verliert sich gern in Handkes uferlosem Text, der Zeit ist die Inszenierung ein wenig zu erwartbar. In Bayreuth hingegen laufen die Kritiker gegen einen "Rheingold" Sturm, dessen Bühnenbild KI-generiert ist: Die SZ vermisst im Bilderreigen jeglichen Zusammenhang, der Zeit gefällt immerhin die Musik. In der Jungle World glaubt die Schriftstellerin Kathrin Röggla nicht, dass irgendjemand KI-Texte lesen will.
Bücherschau des Tages
29.07.2026 Die taz lässt sich von Adèle Yon erzählen, wie Frauen in den fünfziger Jahren durch Lobotomie gefügig gemacht wurden. Die SZ lugt mit einem von Friederike Schilbach herausgegebenen Band durch die Tür der Damentoilette und findet ein ganzes Universum. Die SZ schmökert in Annika Büsings neuem Roman, der die Liebe und das Ungefähre feiert. Die FR denkt mit Heiko Christian über die Gefahr nach. Die FAZ vertieft sich einen Band des Philosophen Jan Patočka, der dem Leben nach dem Tod auf die Spur zu kommen versucht.
Donnerstag, 30.07.2026
9punkt - Die Debattenrundschau
30.07.2026 Im Tagesspiegel erklärt der Verfassungsrechtler Hans-Jürgen Papier, wie man einer AfD-Landesregierung juristisch Grenzen setzen kann. In der Jungle World erklärt der Historiker Benjamin Zachariah, warum der Identitätsdiskurs der Postkolonialisten bei völkisch denkenden Autokraten beliebt ist. Die Zeit beschreibt Queerfeindlichkeit als globales Problem. In der Welt fragt Güner Balci: Wo bleiben die Regenbogenflaggen an den Moscheen?
Efeu - Die Kulturrundschau
30.07.2026 Die taz lernt bei den diesjährigen "Rencontres de la photographie" in Arles, was "Hydrofeminismus" ist. Die Zeit erfährt von Christine Burgartz, wie die letzten Jahre der Schriftstellerin Brigitte Reimann verliefen. Der FAZ ist das von Gustavo Dudamel dirigierte Mahler-Konzert bei den Salzburger Festspielen geradezu zu perfekt. Außerdem besucht die FAZ Juli Zeh auf dem Lande.
Bücherschau des Tages
30.07.2026 Die Zeit verneigt sich vor der polnischen Schriftstellerin Joanna Bator, die Geschichten um den dunklen Kern des Menschen in "schlesischen magischen Realismus" gießt. Die FAZ amüsiert sich prächtig, wenn Zoe Dubno die New Yorker High Society bitterböse zerlegt. Die NZZ freut sich, dass Stephen Greenblatt uns an der Seite von Christopher Marlowe durchs düstere London der Renaissance führt. Die SZ liest berührt, wie Sonya Walger sich ihrem narzisstischen Vater nähert. Und die taz empfiehlt Comics von Moebius und Hayao Miyazaki.
Freitag, 31.07.2026
Efeu - Die Kulturrundschau
31.07.2026 Als Intendant geschasst, als Pianist umjubelt: Markus Hinterhäuser gab in Salzburg zusammen mit dem Bariton Matthias Goerne Schuberts "Winterrreise" und nicht nur die SZ hörte den "Wunsch, das Dröhnen der Welt auszublenden". In Salzburg brilliert Christian Thielemann mit einem synästhetischen "Siegfried" auf Weltniveau, freut sich die nachtkritik. Die taz lässt sich in Mönchengladbach von dem Bildhauer Grant Mooney erklären, wie Material gesellschaftlich mit Wert aufgeladen wird. Und der Guardian schreibt den Nachruf auf den Plastinator Gunther von Hagens.
9punkt - Die Debattenrundschau
31.07.2026 Warum versucht niemand, endlich ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten, fragt in der SZ der Historiker Norbert Frei. Die Welt fragt hingegen, wie islamistische Gefährder aus Deutschland vertrieben werden könnten. Das ZDF hat laut FAZ kräftigen Ärger mit der Deutschen Bahn - wegen einer Reportage, die für diese recht peinlich ist. Wie politisch Archäologie ist, erfährt man ebenfalls in der FAZ von Harald Meller, Direktor des Museums für Vorgeschichte in Halle, der erklärt, warum Otto der Große kein "deutscher" Kaiser war, auch wenn die AfD es gern so hätte. In der NZZ fordert Richard C. Schneider mehr Selbstbefragung von der deutschen Gesellschaft.
Bücherschau des Tages
31.07.2026 Ein kleines Meisterwerk zum Wohlfühlen empfiehlt die FR mit Heinrich Steinfests Novelle "Die Linkshänderinnen". Die FAZ denkt mit Judith Pietreck über die Kulturtechnik des Klatschens nach. Die Welt erinnert sich mit Jens Balzer an Tragödien, Katastrophen und Alltag der Nullerjahre. Der Dlf lässt sich von Evke Rulffes erklären, wie der weibliche Körper über Jahrhunderte hinweg eingeschnürt wurde. Die Schönheit von Mathematik lernt er dank Ulrich Peltzer kennen. Und die taz erkundet mit Rüdiger Dannemann die Faszination an Bob Dylan ontologisch.