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29.07.2026. Während sich die westliche Kultur durch das Verlegen von Büchern auszeichnete, scheint sich Künstliche Intelligenz auf das Zerlegen von Büchern spezialisieren zu wollen, berichtet die NZZ. "Destruktiv gescannt" wird dabei vor allem das "Moderne Antiquariat", ergänzt die Welt. Das CSD-Attentat beschäftigt die Medien weiter - der Attentäter war einer von 9.110 Menschen, die in Deutschland dem "gewaltorientierten islamistischen Personenpotenzial" zugerechnet werden, so die FAZ. Die Erinnerung an den Gulag ist mit der Schließung des Moskauer Gulag-Museums in Russland nun endgültig abgeschafft, erzählt Hubertus Knabe in seinem Blog.
Europäische Antiquariate verzeichnen einen auffälligen Anstieg der Verkaufszahlen, berichtet Leonie C. Wagner in der NZZ. Eine frohe Botschaft ist das nicht unbedingt, viele Händler vermuten KI-Firmen hinter den Bestellungen (unser Resümee). Ziel könnte es sein, wie im sogenannten "Panama"-Projekt von Anthropic, das die Washington Post Anfang des Jahres aufdeckte, Bücher "destruktiv zu scannen", so Wagner, sie also zu kaufen, zu digitalisieren und anschließend zu vernichten. Eine neue Methode der Informationsbeschaffung für KI, mit dem die Firma Gesetze umgeht: "Laut dem Gericht liegt der Rechtsbruch nicht darin, dass Anthropic seine KI mit Texten füttert, sondern darin, wie das Unternehmen zu den Texten gekommen ist. Deshalb hat sich Anthropic neuerdings auf den Kauf und das anschließende Zerlegen von Büchern verlegt. Hinter dem Vorgehen könnte eine Bestimmung aus dem amerikanischen Urheberrecht stehen. Während das Kopieren digitaler Texte Schadenersatzklagen nach sich ziehen kann, können sich Unternehmen mit dem Kauf und der anschließenden Vernichtung von physischen Büchern auf das sogenannte Fair-Use-Prinzip berufen. Dieses erlaubt die Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material ohne ausdrückliche Erlaubnis - solange es Forschungs- oder Bildungszwecken dient."
Auch Markus Brandis, Kunsthistoriker und Vorsitzender des Verbandes Deutscher Antiquare (VDA), äußert sich im Welt-Interview zu dem Phänomen. Kollegen von ihm hätten plötzlich vermehrt riesige Bestellungen für bis zu 50.000 Euro zu verzeichnen. Es gibt Muster: "Weniger Belletristik, hauptsächlich wissenschaftliche Literatur oder Sachliteratur. Und kein klassisches älteres Antiquariat, sondern das, was wir als 'Modernes Antiquariat' bezeichnen. Es sind Bücher aus dem 20. Jahrhundert, vornehmlich aus der zweiten Hälfte, sprich: Bücher, die eine ISBN haben. Denn erst durch diese internationale Buchnummer kann man sie finden. Das ist ein Hinweis darauf, dass sich ein Bot, eine KI-gesteuerte Maschine dahinter befindet, um jedes existierende Buch auf dieser Welt genau ein einziges Mal zu bestellen. Der Bot kauft keine Themenfelder, das wäre viel zu ungenau und würde Mehrfachkäufe auslösen, sondern nach ISBN."
Nach dem CSD-Attentat wurde zunächst über Sicherheitsprobleme diskutiert, sicher verständlich. Aber diese Debatte greift viel zu kurz, meintPerlentaucher Thierry Chervel: "Wer heute noch wiederholt, dass der Islamismus nichts mit dem Islam zu tun habe, beweist nur, dass ihm am Status Quo gelegen ist. In der Tat gibt es große Gruppen in der hiesigen Gesellschaft, die von einem Arrangement mit dem Islam - der heute in den meisten Fällen ein "politischer Islam" ist - profitieren. Parteien werben um muslimische Wähler, auch um den Preis eines israelbezogenen Antisemitismus, Kirchen unterstützen den Anspruch von Muslimen auf einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht, weil sie um ihren eigenen Status fürchten, Medien, vor allem öffentlich-rechtliche, würden es niemals wagen, diese Konsense in Frage zu stellen. DissidentInnen des Islam wie Güner Balci, Ahmad Mansour, Necla Kelek und einige andere weisen seit Jahrzehnten auf diese Widersprüche hin. Es ist nicht so, dass ihre Stimmen nicht gehört werden - aber werden sie verstanden?"
"Queerfeindlichkeit ist eine Realität in muslimischen Communitys und das müssen wir beim Namen nennen", fordertEren Güvercin von der Alhambra-Gesellschaft im Interview auf tagesschau.de: "Natürlich gibt es auch unter den Geflüchteten Menschen, die bereits in ihren Heimatländern radikalisiert waren. Aber wenn wir von den Schlüsselakteuren der islamistischen Szene bei uns sprechen, dann sind das in der Tat mehrheitlich Akteure, die häufig in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, hier sozialisiert sind. Das zeigt uns, dass wir gerade jungen Menschen Orientierung geben müssen. Und da sind wir auch als muslimische Community gefragt. Es kann nicht sein, dass wir nach jedem Anschlag sagen, das habe mit dem Islam nichts zu tun (...) Der Koordinationsrat der Muslime hat gestern eine Pressemitteilung veröffentlicht, darin wurden Terror und Gewalt in all ihren Formen aufs Schärfste verurteilt. Aber die Opfer wurden nicht erwähnt. Es geht hier ganz gezielt um einen islamistisch motivierten Anschlag auf queere Menschen."
Julia Neumann geht in der taz den Hinweisen nach, dass der Attentäter Abdul Ballout zum Islamischen Staat habe gehen wollen: "Der Daesch galt in Syrien und Irak als besiegt. Einzelne Zellen in Syrien erstarken seit dem Fall des Assad-Regimes. Sie verüben Angriffe gegen Sicherheitskräfte im Norden, zuletzt vermehrt Anschläge in Damaskus. Das UN-Generalsekretariat warnt, dass der Daesch weiter ausländische Kämpfer rekrutiert. Es gebe rund 3.000 Kämpfer im Irak und in Syrien."
Ballout war als "Gefährder" eingestuft, erläutert Sebastian Gubernator in der FAZ. Davon gibt es in Deutschland etwa 400. "Um das Risiko einzuschätzen, das von religiösen Extremisten ausgeht, arbeiten die Sicherheitsbehörden mit unterschiedlichen Begriffen. So hat das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) im Jahr 2025 ein sogenanntes Islamismuspotenzialvon 28.645 Personen erfasst. Einen kleineren Teil davon, nämlich 9.110 Menschen, rechnete das BfV dem gewaltorientierten islamistischen Personenpotenzial zu."
Für Zeit online hat Yassin Musharbash recherchiert, das Bassoul offenbar Verwandte beim Islamischen Staat hatte, sogar auf relativ hoher Ebene, über die er hoffte, in die Truppe aufgenommen zu werden.
Außerdem: Das Todesopfer des Attentats war eine 65-Jährige polnische Frau: In der Welt schreibt Philipp Fritz über die Wahrnehmung des Attentats in Polen. Der Politikwissenschaftler und Schriftsteller Ozan Zakariya Keskinkilic, selbst Muslim und queer, schreibt im Tagesspiegel zum Anschlag.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Der Historiker Oliver Jens Schmitt ist Mitherausgeber des großen Handbuchs zur Geschichte Südosteuropas. Im NZZ-Interview erklärt er, was die aktuelle Deal-Politik der Trump-Regierung mit der Region macht: "Es ist für die EU sehr unangenehm, dass die USA mit diesem transaktionalen Ansatz auftreten. Aber bei den politischen Entscheidungsträgern in der Region ist das hochwillkommen. Sie können viel besser damit umgehen als mit dem moralisierenden und wenig effizienten Vorgehen der Europäischen Union. Brüssel hat noch immer keinen abgestuften Beitrittsprozess, sondern kennt nur Mitglieder und Nichtmitglieder. Das blockiert den Integrationsprozess. Wenn man die Fortschrittsberichte liest, etwa für Albanien, und die Situation im Land kennt, hat man das Gefühl von parallelen Realitäten. Es wandern viele Menschen aus, noch viel mehr sind unzufrieden. Aber in den Berichten steht, dass Albanien gute Fortschritte macht."
taz-Kolumnist Robert Misik erinnert an die drei Sozialforscherinnen Marie Jahoda, Else Frenkel-Brunswik und Käthe Leichter, die allesamt von Wien in die USA emigrierten und zu den Studien über den "autoritären Charakter" beitrugen: Frenkel-Brunswik etwa untersuchte "die 'Etablierung von Männlichkeit beim Jungen', das häufige Zurschaustellen 'von Härte und Rücksichtslosigkeit' bei jungen Männern und den Zusammenhang dieser Eigenschaften mit antidemokratischen Gesinnungen. Es scheint so, als hätte sie Figuren der Manosphere und 'Tradwives' prophezeit." Sie hat auch den Begriff der "Ambiguitätsintoleranz" geprägt.
Weiteres: Julia Hubernagel folgte in Berlin für die taz einer Diskussion über den drohenden, grassierenden oder jedenfalls zu besprechenden "Faschismus" - beim Verständnis hilft ihr Eva von Redeckers Definition, Faschismus sei "liquidierende Phantombesitzverteidigung". Und auch taz-Kolumnistin Isolde Charim versucht zu klären, was Faschismus heute eigentlich ist.
Der Südwesten Frankreichs brennt. 40.000 Quadratkilometer stehen in Flammen. All die Kiefern in dieser heiteren hellen Landschaft stehen (oder standen) dort nicht natürlicherweise, erzählt Niklas Maak, der die Gegend aus Urlauben zu kennen scheint, in der FAZ: "Es war Louis-Napoléon Bonaparte, der noch vor seiner Machtergreifung 1851 in seinem Essay 'L'extinction du paupérisme' eine Modernisierung Frankreichs forderte - und die Sümpfe des Südwestens trockenlegen und zur Werkbank eines industrialisierten Frankreichs machen wollte. Napoelon III. plante eine Handelsexpansion, dafür musste er den Schiffbau und den Ausbau der Eisenbahn vorantreiben - und für all das brauchte man Holz: Feuerholz, Holzbohlen für die Bahn, für Masten, für die Abstützung von Bergbau-Gruben, für den Hausbau. Schon Napoleon I. hatte bei einem Besuch der Stadt Bayonne 1808 angekündigt, die 'Landes' zu modernisieren und urbar zu machen." Was auf riesigen Flächen entstanden ist, so Maak, ist eine Monokultur, extrem anfällig für Entwurzelung durch Sturm, Schädlinge und Waldbrände.
Petra Ahne erklärt in einem zweiten Artikel den jetzt in Frankreich kursierenden Begriff "Pyrocumulonimbus", "über den Flammen entstehende, alles noch schlimmer machende Gewitterwolken".
Investigativjournalistin Heidi Blake hat intensiv die Verbrechen der frauenfeindlichen Influencer Andrew und Tristan Tate (unsere Resümees) recherchiert, die 2022 in Rumänien verhaftet wurden, unter anderem weil sie Frauen in großem Stil zur Prostituion zwangen. Von der Trump-Regierung auf freien Fuß gesetzt, konnten sie im Interview weiter fröhlich ihre maskulinistischen Botschaften verbreiten. In Folge von Blakes Arbeit wurden die Tates nun auf ein Auslieferungsgesuch der britischen Behörden hin in den USA verhaftet. Ein großer "Sinneswandel", meint Blake im SZ-Interview: "Die Tates selbst haben versucht, sich zwischen mich und die Opfer zu schieben, zu kontrollieren, mit wem ich spreche und mit wem nicht. In England habe ich die Polizisten kontaktiert, an die sich damals die ersten Frauen gewandt haben, um Andrew Tate anzuzeigen, weil er sie vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben soll. Diese Vorwürfe wurden damals einfach nicht weiterverfolgt. Als ich anfing, Fragen zu stellen, gab die englische Polizei auf einmal bekannt, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen würden und gegen die zuständigen Polizisten ein Verfahren wegen schwerer Dienstvergehen eröffnet werde." In Folge von Blakes Recherche, erhoben die Britischen Behörden 38 neue Anklage-Punkte, unter anderem wegen Erstellung von Kinderpornografie, da manche der Opfer minderjährig waren.
"Als bevölkerungsreichster Staat Südostasiens und wirtschaftliches Schwergewicht innerhalb der Asean verfügt Indonesien über erhebliches politisches, demografisches und geostrategisches Gewicht", hält der Politikwissenschaftler Johanes Wato in der NZZ fest. Chinesische Investitionen bringen das Land voran, erklärt er, allerdings versuche der Staat gleichzeitig sich vor "strategischer Vereinnahmung" zu schützen: "Indonesiens Streben nach strategischer Autonomie beschränkt sich nicht auf das Verhältnis zu China. Parallel dazu intensiviert Jakarta die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten, Japan, Australien und Indien, etwa durch gemeinsame Militärübungen, Ausbildungsprogramme und Kapazitätsaufbau. Diese Kooperationen dienen primär der Abschreckung und der Verbesserung eigener Fähigkeiten, nicht jedoch der Bündnisbildung. Entsprechend lehnt Indonesien eine Mitgliedschaft in exklusiven Militärformaten wie Aukus oder Quad ab, die als potenziell destabilisierend für die regionale Ordnung wahrgenommen werden und den strategischen Handlungsspielraum einschränken könnten."
Der Zeithistoriker Hubertus Knabeerzählt auf seinem Blog, wie das preisgekrönte Gulag-Museum in Moskau endgültig abgewickelt wurde. In dem Bau soll jetzt an sowjetische Opfer der Nazis und Japaner erinnert werden. "Die feierliche Einweihung wurde symbolträchtig auf den 22. Juni gelegt - den Tag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion. Ob und wann das Haus allerdings für das allgemeine Publikum öffnet, ist offen. Als eine Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft es besichtigen wollte, erhielt sie die Auskunft, dass nur angemeldete Gruppen zugelassen seien. Eine Website hat das Museum ebenfalls nicht. Mit der Auflösung des Gulag-Museums hat Russland die letzte große Institution verloren, die Stalins blutige Diktatur kritisch thematisierte. Um den staatlich verordneten Patriotismus zu stärken, darf es beim Rückblick auf die Geschichte nur noch Helden oder Opfer geben - aber keine Täter. Insbesondere Armee und Geheimdienst sollen von historischer Schuld reingewaschen werden."
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