Neulich atmete die deutsche Öffentlichkeit auf. Endlich schien der
Anschlag auf das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde in München im Jahr 1970 geklärt. Sieben Bewohner, Holocaust-Überlebende, sind bei diesem Anschlag ermordet worden. Nachdem sich eine Zeugin vom Hörensagen gemeldet hatte, identifizierte die Polizei einen Rechtsextremisten, der vor einigen Jahren gestorben ist. Aber
Wolfgang Kraushaar, der lange zu dem Fall recherchiert hat,
ist sich im Perlentaucher sicher: "Der Fall Reichenbachstraße darf auch heute
noch nicht zu den Akten gelegt werden." Er hält den von der Staatsanwaltschauft heute geschilderten Tathergang für äußerst unplausibel. Der Täter soll unmittelbar vor der Brandstiftung im jüdischen Altenheim einen
Juwelierladen in der Nähe überfallen haben. "Nach Darstellung der Justizbehörde soll das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde bereits 15 Minuten nach dem erfolglosen Überfall auf das Juweliergeschäft in Flammen gestanden haben. Von der Entfernung her, die sich in nur wenigen Minuten zurücklegen lässt, wäre das durchaus machbar. Aber
auch vorstellbar? Zunächst einmal dürfte es ziemlich unwahrscheinlich sein, dass jemand, der gerade von einem Überfall kommt und sich danach wohl schleunigst in Sicherheit zu bringen versucht, sich nun gleich in sein nächstes Abenteuer stürzt." Und "Nach allem, was den Ermittlern der damaligen Sonderkommission bekannt war... ist die Brandstiftung
von langer Hand geplant gewesen."