9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Nur zwei Wochen vom Frieden entfernt

07.10.2026. Heute vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen mehr als 1.200 Israelis. Der Krieg kostete auch tausende Palästinenser ihr Leben. Dennoch ist eine Zweistaatenlösung möglich, beschwört in der taz Hamza Howidy die westlichen Staaten, die sie stärker unterstützen sollen. Wenn Ruanda es geschafft hat, dann schaffen es auch Israelis und Palästinenser, ermuntern Aziz Abu und Maoz Inon in der SZ. In der FR beklagt Carolin Emcke fehlende Solidarität mit den Palästinensern. Außerdem: Wladimir Putin hat heute Geburtstag. Die NZZ erinnert an ein Geburtstagsgeschenk vor 20 Jahren, als ihm die Leiche seiner Kritikerin Anna Politkowskaja präsentiert wurde.

Unterschiedliche Toleranzen

06.10.2026. Die taz stellt jeden einzelnen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt vor - es ist wahrlich ein finstres Häuflein. In der FAZ polemisiert Jürgen Kaube gegen Ronen Steinke: Nein, die "Rote Hilfe" ist kein harmloser Rechtshilfeverein. Ebendort denkt Souad Mekhennet über den 7. Oktober nach. In der FR erklärt der designierte Friedenspreisträger Philippe Sands, warum er sich nicht zum Völkermord-Vorwurf gegen Israel äußern wird. 

Alles andere als verdruckst

05.10.2026. Die taz besucht Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt - dort wartet man bang auf die kommende AfD-Regierung. Wolf Biermann in Zeit online und Klaus Lederer in progressive-linke.de setzen sich mit dem Versagen der Linken vor der eigenen Geschichte auseinander. taz und Guardian erzählen, wie Linkspartei und Green Party unter Einfluss gerieten. In Zeit online bekennt Anne Rabe ihr Entsetzen vor dem Kabarettisten Uwe Steimle. In der Welt erinnert der kurdische Historiker Hamit Bozarslan daran, dass Revolutionen nicht immer links sind. 

Hand in Hand mit den netten Nerds

02.10.2026. Nicht nur ist morgen Nationalfeiertag und darum frei - nächste Woche beginnt auch noch die Buchmesse. Die Zeitungen platzen förmlich und bringen Freitagsausgabe, Samstagsausgabe und Buchmessenbeilagen auf einmal. Jetzt müssen wir nur noch die Krise des Lesens bewältigen, so die SZ. Für die FAZ hat Stephan Malinoski jedenfalls schon Mal 3.000 Seiten Hannah Arendt über Totalitarismus bewältigt. Und das Leben geht weiter: In der SZ erzählt Lea Streisand, wie sie von links und rechts bedroht wird. Und in NZZ und Zeit warnen Giuliano da Empoli und Timnit Gebru vor den Tech Bros und ihrer KI.

Es sei eine unangenehme Situation gewesen

01.10.2026. Die Islamdebatte steckt in einer Sackgasse, meint in der Zeit Saba-Nur Cheema, progressive Muslime werden im Stich gelassen. Ebenfalls in der Zeit wirft der israelische Journalist Shlomi Eldar Benjamin Netanjahu vor, alle Warnungen vor einem Attentat der Hamas ignoriert und alle Friedensbemühungen, die die Geiseln gerettet hätten, torpediert zu haben. Wenn die Deutschen über Russland sprechen, sprechen sie fast immer über sich selbst, meint im Interview mit der FAZ die Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse. Und: Es wird munter weiter über die Linke in Berlin debattiert.

Darüber werden wir nicht mehr streiten

30.09.2026. Persönliche Begegnungen gibts beim Arzt bald nur noch für die Wohlhabenden, allen anderen antwortet eine KI, warnt die amerikanische Historikerin Jill Lepore bei Zeit online. In der SZ fragt der ukrainische Autor Sergey Maidukov Richtung Donald Trump, worüber genau die Ukraine verhandeln soll. Der britisch-israelische Autor Ithamar Handelman Smith schildert in der NZZ das besondere Verhältnis Irlands zum Nahostkonflikt. Und die FAZ fragt sich, wie genau Francesca Albanese das Wörtchen Antisemitismus so missverstehen konnte.

Transnationale Netzwerke

29.09.2026. Die SZ staunt über Wolfram Weimers Pläne für einen Erinnerungsort zum Kolonialismus - warum in Bremen? Die FAZ stellt eine bizarre, aber einflussreiche Szene von Rechtsextremen in Italien vor, Intellektuelle, die zum schiitischen Islam übergetreten sind - dazu gehört der Chef der Biennale von Venedig. Kaum hat Wolfgang Benz durch ein Tagesspiegel-Interview Empörung ausgelöst, gibt die FR ihm Gelegenheit, sich zu wiederholen. Im Tagesspiegel antwortet unterdessen Michael Wolffsohn. Die taz warnt vor einem neuen Krieg in Äthiopien. 

Sehr sicher hinter Panzerglas

28.09.2026. In Berlin sind jetzt Koalitionsgespräche für ein Linksbündnis angesagt - die Antisemitismusvorwürfe gegen die Linkspartei bleiben aber bestehen, konstatieren mehrere Medien. Da nützt auch der Persilschein nicht, den der Historiker Wolfgang Benz der Partei ausgestellt hat und den Jüdische Allgemeine und FAZ mit Sarkasmus aufnehmen. In Zeit online skizziert Cordt Schnibben, wie sich der Journalismus vor KI retten kann. In der NZZ liefert Elham Manea Hintergründe über die Huthis.

Rausschmeißen. Alle

26.09.2026. Gut, ok, die Linkspartei hat "kein klares Verhältnis" zum Antisemitismus, aber Koalitionsgespräche sollte man trotzdem mit ihr führen, meint der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak in der FAZ. Mächtige Stimmen sprechen sich in den Zeitungen für ein Linksbündnis in Berlin aus: so etwa der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz im Tagesspiegel. Und Eva Menasse. Und Jürgen Trittin. Außerdem: Die NZZ hält einen russischen Angriff auf die baltischen Länder für möglich. Nora Bossong staunt in der FAZ über die Honorare des Goethe-Instituts.

Brandmauer ade

25.09.2026. Die Zeitungen (und eine Linke-Politikerin) arbeiten sich an dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak ab. Eine Gruppe israelkritischer Juden (darunter Eva Menasse, Susan Neiman und Deborah Feldman) nimmt die Linkspartei gegen Antisemitismusvorwürfe in Schutz. In der Welt kauft Güner Balci der Berliner Wahlsiegerin Elif Eralp ihre Distanzierung von islamistischen Gruppen und Antisemitismus nicht ab. Im sächsischen Heidenau fiel gestern die Brandmauer, berichtet die Bild: AfD, CDU und Freie Sachsen lehnten gemeinsam die Verlegung von Stolpersteinen für ein jüdisches Ehepaar ab. In der FAZ erklärt eine Zahnärztin, wie sie "von der Bürokratie stranguliert" wird.
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