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24.07.2026. Die Opernkritiker erliegen in Damiano Michielettos opulenter Verdi-Inszenierung in Bregenz vor allem der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen. Der Tagesspiegel lernt im c/o Berlin, wie digitale Bilder zu "grausamem Optimismus" verführen. Besonders viele Verlage scheinen sich nicht um Günter Grass zu reißen, vermutet die SZ nach der Insolvenz des Steidl Verlags. Und VAN glaubt nicht an eine Krise der Neuen Musik.
In der nachtkritikwirbt der deutsch-italienische Theaterautor Nicola Bremer um höhere Etats für Kultur, gerade weil sie wirtschaftliche Impulse in Städten auslösen, wie er meint: "Warum sollte eine hochqualifizierte Ingenieurin, ein Arzt, eine IT-Spezialistin oder ein kreativer Unternehmer in eine Stadt ziehen, die zwar Arbeitsplätze, aber kaum kulturelles Leben bietet? Menschen ziehen nicht nur für einen Job um, sondern auch für eine Perspektive. Für Lebensqualität. Und Kultur schafft doch genau das! Sie macht Städte erlebbar."
Das Insolvenzdrama um den bibliophil hochambitonierten SteidlVerlag macht auch vor einem der für das Haus wohl wichtigsten Posten nicht halt: Jetzt wurde bekannt, dass die Günter und Ute Grass Stiftung bereits im Mai die Zusammenarbeit mit dem Verlag beendet hat - nach Angabe der Stiftung wegen wiederholter Zahlungsrückstände. "Weil Steidl in der Vergangenheit auch Lizenzen für Übersetzungen ins Ausland verkauft habe, könne man von 'Weltrechten' sprechen, die der Verlag vertreten habe", schreibt Marie Schmidt in der SZ. "Diese Rechte hat er jetzt verloren. Und der Literaturnobelpreisträger hat gerade keinen Verlag. ... Über die Rechte an den Werken von Günter Grass, heißt es von der Grass-Stiftung aus Lübeck, führe man gerade 'Gespräche mit einem anderen Verlag'. Das Wort 'einem' fällt auf, von einem großen Wettbieten um Grass' Bücher ist bislang nichts zu hören. ... Am 16. Oktober 2027 ist Günter Grass' hundertster Geburtstag, zu solchen Gelegenheiten erscheinen gewöhnlich prächtige neue Ausgaben." Hier der NDR mit weiteren Hintergründen.
Weitere Artikel: Sandra Kegel (FAZ) begibt sich im litauischenNida, wo derzeit auch deutsche Bundeswehrsoldaten im NATO-Auslandseinsatz unterwegs sind, auf die Spuren ThomasManns, der sich hier im Sommer aufhielt. In der FAZ-Reihe zur USA im Spiegel ihrer Literatur beschäftigt sich Kai Sina mit JamesBaldwins "The Fire Next Time" von 1963. Besprochen werden T. C. Boyles Erzählband "Das Ende ist nur ein Anfang" (FR), Seraina Koblers "Tal der Schwalben" (NZZ), Heinz Strunks "Memories of Heidelberg" (SZ) und Tamara Štajners "Luft nach unten" (FAZ).
Weitere Artikel: Im Perlentaucher-Fotolot empfiehlt Peter Truschner aktuelle Fotoausstellungen in Berlin, Paris und Wien - darunter Elton Johns Fotosammlung, die derzeit im Jeu de Paume in Paris ausgestellt wird oder die Gabriele-Stötzer-Ausstellung im Berliner Gropiusbau, (mehr hier). Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Forking Paths" in der Berliner Galerie Esther Schipper (Tsp).
ChristopherNolans "Odyssee" brachte auch die Formatfrage wieder auf den Tisch: Gezeigt wird der Film - je nach Spielstätte - regulär digital, von 35mm, von 70mm, im digitalen IMAX-Format und im analogen IMAX70mm-Format. Jedes davon gibt ein bisschen mehr vom eigentlichen Bild preis, aber nur IMAX70mm zeigt es zur Gänze. Auf Festland-Europa ist dieses Format allerdings nur in Prag und Brüssel projizierbar, weshalb die meisten Cinephilen mit dem 70mm-Format vorliebnehmen, für das sie teils ebenfalls Reisen antreten müssen, berichtet Philipp Bovermann in der SZ. Der 70mm-Film hatte seine Blütezeit, als das Fernsehen dem Kino ernstzunehmende Konkurrenz machte: "Jetzt ist ein neuer Hype da und beflügelt die Fantasie von Filmfans. Die Gegenwart des Kinos wird ihnen freundlich präsentiert von seiner Vergangenheit. ... Damit das wirkte, brauchte es gemäldeartige Filme mit vielen Details, deshalb ließen die Studios Aufnahmen von Landschaften und Menschenmassen drehen, dazu die Gesichter von Stars in Großaufnahme, so entstanden historische Epen wie 'Ben Hur', 'Spartacus', 'Lawrence von Arabien'. Nun, im Jahr 2026, wird der entscheidende Kampf um Marktanteile zwischen Netflix und Youtube geführt, zwischen kleinen und noch kleineren Bildschirmen. Das Kino droht an die Wand gedrängt zu werden. Und wieder ist die Antwort: ein starbesetztes historisches Epos, gedreht auf analogem70-mm-Material." Auf dieser Website kann man anschaulich nachvollziehen, wie sich der Bildausschnitt von Format zu Format verändert.
Einfach nur lächerlich findet derweil Axel Weidemann im FAZ-Kommentar ElonMusks großspurige Ankündigung, bis Ende des Jahres mit seiner Twitter-KI eine "historisch akkurate" Spielfilm-Version von Homers" Odyssee" vorzulegen, nachdem rechte Onlinetrolle an Nolans Film eher verzweifelt als erfolgreich herumgemäkelt haben, dass er etwa eine schwarze Helena zeige: "In einem knapp 3000 Jahre alten Versepos, in dem Meeresungeheuer, ZyklopenundverführerischeZauberinnen vorkommen, hat historische Korrektheit (womöglich das neurechte Gegenstück zur politischen Korrektheit) genauso viel Bedeutung wie beim 'Herrn der Ringe'."
Außerdem: "Der Trend, dass die Major-Studios sich mit ihren großen Filmen zunehmend von den Festivals zurückziehen, setzt sich auch in Venedig fort", stellt Andreas Busche im Tagesspiegel fest, nachdem das Filmfestival am Lido gestern sein Programm - unter anderem mit Werner Herzog im Wettbewerb - bekannt gegeben hat. Dunja Bialas empfiehlt auf Artechock Perlen aus dem Programm der 74. Filmkunstwoche in München. Rüdiger Suchsland schreibt auf Artechock einen Nachruf auf den Festivalkurator TonyRayns. Daniel Kothenschulte ruft in der FR dem Schauspieler WernerEnke nach (weiteres zu Enke bereits hier).
Besprochen werden PhilippaLowthorpes "H wie Habicht" nach dem gleichnamigen Bestseller von HelenMacdonald (taz, FAZ, unsere Kritik), MichelFrancos Migrations- und Liebesdrama "Dreams" mit Jessica Chastain (Welt, SZ), ChristopherNolans "Odyssee" (Artechock, unsere Kritik), GrégoryLucillys "Verstoßene" (Artechock), AndrewStantons "Toy Story 5" (Artechock) und die auf HBO Max gezeigte Serie "Stuart Fails to Save the Universe" (FAZ).
Es gibt keine Krise der Neuen Musik, hält der Musikmanager und Künstleragent Karsten Witt auf VAN all jenen entgegen, die eine solche ausrufen. Ihre marginale Rolle im Betrieb ist eher ab Werk eingebaut: "Das Interesse an neuester, noch unerprobter Musik war schon immer einer Gruppe von Eingeweihten/Experten/Insidern vorbehalten. Das war zu Mozarts Zeiten nicht anders als heute. Der Unterschied besteht darin, dass klassische Musik heute einem viel breiteren Publikum zugänglich ist als seinerzeit, wo praktisch alle Zuhörer selbst auch praktizierende Musiker und Kenner waren. Die Masse der Besucher geht nur ein paar Mal pro Jahr ins Konzert. Da erscheint es verständlich, dass ihr Interesse in erster Linie den bekannten, allseits beliebten Werken gilt, die sie selbst noch nie oder nur selten gehört haben. ... Nach meiner Beobachtung gibt es immer mehr Festivals für Neue Musik, die regelmäßig immer größere Publika gewinnen. Orchester integrieren Neue Musik ganz selbstverständlich in ihre Abo-Programme, die meisten Opernhäuser vergeben selbst Kompositionsaufträge, alle haben neue Opern im Repertoire." Im Dlf Kulturfindet Neue Musik mit zwei Programmplätzen pro Woche statt.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: BackstageClassicalbietet mit einem ausführlichen Vorabdruck einen Einblick in WolfgangRatherts demnächst erscheinende Biografie über Herbert von Karajan. Niemand hat DangerDans Song "Keine Angst" verboten, deswegen sei sein Zensurvorwurf ans ZDF "absurd und ähnelt dem Verfolgungs-Gejammerevonrechts", womit er denn auch "auf das Konto demokratiezersetzender Kräfte" einzahle, kommentiert Stefan Weiss im Standard. Adrian Lobe spricht in der Welt mit dem KI-Forscher und Musiker Stephan Baumann über KI in der Musik. Merle Krafeld spricht für VAN mit GiovanniAntonini, dem Gründer und Leiter des Barockensembles Il Giardino Armonico. Christiane Peitz hat für VAN den Klavier-Meisterkurs von AndrásSchiff in einem Schweizer Bergdorf besucht.
Besprochen werden MoritzWebers Buch "Chopins Männer", das anhand von Briefen des Komponisten der These nachgeht, ob dieser homosexuell gewesen ist (Zeit Online) sowie neue Alben von Swamp Dogg ("Gott, Engel, Jesus und die Kirche sucht man auf dem Album vergebens", stattdessen gebe es eine "lebensbejahende Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben", verspricht Detlef Diederichsen in der taz), Charli XCX (online nachgereicht von der Welt), der Strokes, die laut Tagesspiegel-Kritiker Torsten Groß den "Soundtrack einer erschöpften Welt im Zustand konstanter Überforderung" liefern, von Broken Social Scene (taz), der DeadPioneers (FR) und des Rappers Apsilon (Zeit Online, SZ).
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