Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Um die 50 000 Zivilisationen

18.08.2026. Dekoder stellt den belarusischen Schriftsteller Uladsimir Karatkewitsch vor, dessen Bücher 42 Jahre nach seinem Tod in Belarus verboten werden. Foreign Affairs fordert die Vereinten Nationen auf: Hört auf die afghanischen Frauen. Das lyrische Ich ist immer eine Konstruktion, erinnert die Autorin Krisztina Tóth in Elet es Irodalom, auch in der Autofiktion. Eurozine erklärt den Zusammenhang zwischen Blutwurst und Botox. Der New Yorker erzählt eine Geschichte von Kuru, Kolonialismus und Kannibalismus, von Päderastie ganz zu schweigen.

Wir sind bei lebendigem Leib verrottet

11.08.2026. Wer Opfer zum Kotzen findet, sollte vielleicht nicht Katholik werden, denkt die LRB nach Lektüre von J.D. Vances "Communion". Dekoder widmet sich dem belarusischen Kino. The Atlantic sieht Freud gerettet - durch neueste Technologien. Der New Yorker besuchte den russischen Gulag für gefangene Ukrainer. Le Grand Continent entdeckt die fabelhafte Dichterin Zuzanna Ginczanka. Wired staunt, wie sich die radikale Rechte Argumente des Unabombers zu eigen macht.

Harte Arbeit ist nutzlos

04.08.2026. Für eine Supermacht steht China auf ganz schön wackeligen Füßen, meint der New Yorker mit Blick auf die geplatzte Immobilienblase. Die Novaja Gazeta Europe blickt bang auf die große Zahl russischer Veteranen. Die London Review denkt am Beispiel der Höhlenmalereien von Chauvet über Sprache und Kunst nach. In Grand Continent erklärt Roberto Saviano, wie leicht die Mafia in Europa Geld wäscht. Die New York Times fürchtet, dass ein einziger Investor die ganze KI-Blase zum Platzen bringt.

Haben wir Rechte?

28.07.2026. In Equator setzt Arundhati Roy nur vorsichtig auf die Bewegung der Küchenschaben zur Rettung der Demokratie Indiens. In The Ideas Letter denkt Mark Leonard darüber nach, wie rechte Bewegungen die alten Parteien verdrängen konnten. In Tunesien wird die Mär von einem großen Bevölkerungsaustausch immer populärer, beobachtet Africa is a Country. Der Guardian beschreibt einen Irak, der zwischen den USA und Iran eingeklemmt ist und auch von innen bekämpft wird. Der New Yorker befasst sich mit den "Frenchmen". In The Point erzählt Carlo Ginzburg, wie er den Opfern eine Stimme geben wollte und sich plötzlich auf einer Seite mit dem Inquisitor wiederfand.

Lang leben die Schnecken!

21.07.2026. Kulturkämpfe, wo man hinguckt: Isaac Butler erzählt im Guardian, wie Linke und Rechte seit den achtziger Jahren die Klingen schärfen. New Lines erzählt, warum dem türkischen Comedian Deniz Göktaş sechs Jahre Haft drohen. In Fathom fragt der britische Schriftsteller Howard Jacobson, seit wann es okay ist, einen unbewiesenen Genozidvorwurf als Tatsache hinzustellen. In der New York Times glaubt Zohran Mamdani, viele Demokraten würden sich einfach nur nicht trauen, von einem Genozid Israels zu sprechen. Die LRB schwelgt in Federn. HVG sucht eine ungarische Beerdigungskultur.

Blaue Einhörner, zweibeinige Biber, geflügelte Humanoiden

14.07.2026. Le Monde schickt eine Reportage über die Homosexuellen im Senegal, die inzwischen auch vom Staat aufs Korn genommen werden. Die New York Times lernt: Nicht nur Hacker können Daten klauen, auch britische Einbrecher. Andererseits gibt es die chinesische Hackergruppe Volt Typhoon, die mindestens genauso geschickt ist, lernt Wired. Eurozine erkundet das rebellische Potential von Pop-Phänomenen in China. Der New Yorker stellt ein Buch über die amerikanischen Kulturkämpfe seit den 1980ern vor. Der Observer erinnert an ein hochbezirztes Vogue-Porträt der Assad-Ehefrau Asma. Die London Review bemüht sich um einen Termin beim Oba von Benin.

Visuelle Hacker

07.07.2026. New Lines beobachtet die Demontage des offenen Internets im IranEurozine diagnostiziert eine Feminisierung der politischen Verfolgung in Russland. Russlands territoriale Größe könnte im Ukrainekrieg erstmals sein Verderben werden, meint der Historiker Sergej Medwedew in Dekoder. Die London Review liest Nicolas Sarkozys Gefängnistagebuch. Aktualne berichtet vom Internationalen Bohemistenkongress in Prag. Im MIT Press Reader erklären der Philosoph Roberto Casati und der Psychologe Patrick Cavanagh, warum Künstler seit Jahrhunderten die Schatten falsch malen.

Vor seinem erhabenen Profil

30.06.2026. Eurozine lernt aus einer Studie, dass die Iraner immer atheistischer werden. Dekoder erklärt, warum die postsowjetischen Völker oft so genervt von den Russen sind. Lidove noviny erinnert an die große tschechische Schriftstellerin Věra Linhartová. Brooklyn Rail interviewt den Fotografen Thomas Demand. La Regle du Jeu versucht sich hübsch boshaft, Dominique de Villepin als Staatspräsident vorzustellen.In Elet es Irodalom wünschte sich der Autor Miklós Vámos etwas Selbstkritik von den Ungarn. New Lines beobachtet die Flamingorevolution in Albanien.

Das Letzte, was man im Leben schreibt

22.06.2026. In Eurozine erklärt der ukrainische Autor und Soldat Artur Dron, was Literatur gerade im Krieg vermag. Zur heutigen Pantheonisierung bringt Le Grand Continent einen Text von Carlo Ginzburg über Marc Bloch. New Lines lernt aus einer Münzsammlung im British Museum von der glorreichen Geschichte Afghanistans. Der New Yorker kassiert mit einem Repo-Man unbezahlte Autos ein. Der indische Autor Amit Chaudhuri spürt in The Point dem Fremden in den Fotografien Ljubodrag Andrics nach.

Mallarmés geistige Bomben

16.06.2026. Wenn Staatsverbrecher straflos bleiben, führt das zu moralischer Lähmung, erkennt in Osteuropa der Autor Sergej Lebedew am Beispiel von Russland. Der Guardian erklärt, warum Mexikos beliebte linke Präsidentin Claudia Sheinbaum äußerst militärfreundlich ist. In Elet es Irodalom setzt László Végel auf die revolutionäre Kraft der Bücher. In der Yale Review möchten Millenials lieber das explizite Unoriginelle und Unaufregende umarmen. Der Kriegsfotograf Shyam Tekwani erzählt in New Lines von einer Aufnahme, die ihn nie mehr losließ. In der Paris Review sucht Karl Ove Knausgard nach Authentizität in der Kunst.