29.07.2026. In den neuen Taschenbüchern des Monats Juli führt uns Anne Weber durch die Pariser Banlieues. Melania Mazzucco stellt uns mit Plautilla Bricci Roms erste Architektin vor. Uwe Wittstock erzählt von den Exilanten, die 1940 aus Marseille flohen. Und Perlentaucher Arnim Eisenhut empfiehlt "Wachs" von Christine Wunnicke.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Es war einer der Erfolgsromane des vergangenen Jahres: Wolf Haas' literarisches Vexierspiel "Wackelkontakt", in dem ein Künstler namens Escher beim Warten auf einen Elektriker ein Buch über einen Mafiosi liest, während zugleich ein Mafiosi ein Buch über einen Künstler liest, der auf einen Elektriker wartet. Klingt kompliziert? Keineswegs, versichern die KritikerInnen einstimmig: Einen Riesenspaß verspricht die FR, ein geniales Puzzle empfiehlt die Welt und die NZZ warnt vor: Harmlos ist hier gar nichts!
Bestellen Sie bei eichendorff21!An der Seite von Anne Weber durften wir bereits vor zwei Jahren in "Bannmeilen" die Banlieues von Paris durchqueren. Die Schriftstellerin, die seit 40 Jahren in Paris lebt, machte sich an der Seite des algerischstämmigen Filmemachers Thierry auf den Weg, blickte auf Sozialbauten und erzählt von Konfrontationen zwischen deren Bewohnern und er Polizei, ergänzt von Reflexionen, Dialogen und Erfahrungen der beiden Flaneure. Das ist weit entfernt von "Elendstourismus", verspricht die SZ, die Weber auch nie herablassend empfindet. Stattdessen besticht das Buch durch sanfte Ironie und scharfe Beobachtungen, findet die taz.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Ins Rom des 17. Jahrhunderts entführt uns Melania Mazzucco, die sich in "Die Villa der Architektin" auf die Spuren von Plautilla Bricci begeben hat. Bricci war die erste römische Architektin, sie entwarf etwa die Villa "Il Vascello" - und doch blieb sie unbekannt. Dabei führte sie durchaus ein beeindruckendes Leben, von dem wir dank der akribischen Recherche Mazzuccos lesen dürfen. Mehr noch: Geschrieben ist das Werk "leichthändig und mit epischer Kraft", verspricht die SZ.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die KritikerInnen konnten es vor zwei Jahren kaum fassen, dass vor Uwe Wittstock niemand auf die Idee kam, über die Flucht verfolgter deutscher Exilanten aus "Marseille 1940" zu schreiben. Dabei waren darunter berühmte Intellektuelle wie Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger oder Anna Seghers, die mit Hilfe des amerikanischen Journalisten Varian Fry nach Hitlers Sieg über Frankreich zu fliehen versuchten. Wie Wittstock davon anhand von Erinnerungen, Tagebüchern und Briefen detailreich zu erzählen weiß, findet die FR so erschütternd wie berührend. So atemberaubend wie ein "historischer Thriller", urteilt die FAZ und die Zeit meint: Ein dringend notwendiges Buch und außerdem brandaktuell.
Persönliche Empfehlung zu Christine Wunnickes Roman "Wachs" von Arnim Eisenhut
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die Büchnerpreis-Jury zeichnete Christine Wunnicke dieses Jahr unter anderem für ihren "unbekümmerten Eigensinn" aus und ein schöneres Beispiel als Wunnickes jüngsten Roman "Wachs" könnte es dafür nicht geben: Wir folgen der zunächst fünfzehnjährigen, bald über siebzigjährigen Marie Biheron, einer einst berühmten Bildnerin von anatomischen Wachspräparaten, durch das Paris des 18. Jahrhunderts auf der Suche nach Leichen zum Sezieren und beim Finden einer Liebesbeziehung zur älteren Pflanzenmalerin Madeleine Francoise Basseport. Auf knapp 180 Seiten lässt uns Wunnicke in Vor- und Rückblenden in die Biografien und Beziehung der beiden Frauen, die unter schwierigsten Umständen ihrem Beruf nachgingen, blicken. Während die Epoche der Aufklärung an uns vorbeizieht, lässt Wunnicke immer wieder zeitgenössische Diskurse aufblitzen. "Wachs" ist weder Liebes- oder Historienroman, noch Biografie oder feministischer Roman. So widerspenstig wie seine Heldin entzieht er sich jeder Zuschreibung: Dicht gesponnen, mit funkelndem Witz, Sinn fürs Absurde, herber Poesie und einer gestochen scharfen Sprache handelt es sich um ein einzigartiges Stück Literatur, das ganz nebenbei auch beispielhaft beiläufig von queerer Liebe erzählt. Hier geht's zum Buch.
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