Wie aus dem Nichts fällt das Mädchen in Oles Leben. Bis eben hatte es sich noch versteckt. Da ist sie, Miki, siebzehn, die nicht zur Schule geht und schwer mit sich hadert. Es ist Frühjahr in Berlin, hell und kalt. Da ist die Gespenstervilla, das altehrwürdige Kolleg, ein Flecken Strand am Wannsee, eine Küche mit einem großen quadratischen Fenster. Über dem Eingang der Villa schweben zwei in Eisen gegossene Engel über dem Motto "per aspera ad astra". Diese Engel sind wir, sagt Dolly. Wir beschützen euch. Wir, das sind Dolly selbst, Oles Ehefrau, und Haruko, Mikis Mutter. Sie beobachten die plötzliche, passionierte Freundschaft zwischen dem Mann ohne Kind und dem Kind, das einen Vater zutiefst vermisst. Miki ist wieder in Tokio, und Ole schreibt seine Geschichte auf. Und dann kommt die Einladung. Die erste Reise nach Japan und die zweite. Unter dem Klischee des blühenden Kirschbaums entdeckt Ole eine fast schon geheime Gesellschaft von Genies und Sonderlingen. Miki und Ole streifen durch das älteste Viertel Tokios, Ginza, beobachten Leute, besuchen Restaurants und freuen sich darüber, dass eine Schuhverkäuferin Ole für Mikis Vater hält. Aber das ist nicht die Zukunft. Gibt es eine Zukunft?
Vielleicht keinen perfekten, aber doch einen faszinierenden Roman hat Ulf Erdmann Ziegler geschrieben, findet Rezensentin Shirin Sojitrawalla. Im Zentrum steht ein älterer Mann namens Ole, ein Berliner Akademiker, der bereut, keine Kinder zu haben. Und dann eine 16-jährige Halbjapanerin namens Miki trifft, die zu seiner Ersatztochter wird. Bewusst spielt Ziegler laut Kritikerin mit Lolita-Motiven, wenn es um die Beziehung Oles zu der über 40 Jahre jüngeren Miki geht - die Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren wird für Sojitrawalla zusätzlich intensiviert durch den Gegensatz zwischen Europa und Asien. Manchmal schreibt Ziegler, der die Geschichte komplett aus Oles Perspektive erzählt, schon ein bisschen schlüpfrig, findet sie, auch einige abgegriffene Motive wie etwa funkelnde Augen tauchen im Text auf. Insgesamt jedoch scheint die Rezensentin durchaus etwas anfangen zu können mit diesem nicht leicht zu entschlüsselnden und außerdem "seltsam traurigen" Buch, dessen "verquere Liebesgeschichte" letztlich eine Geschichte der Fürsorge bleibe.
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