Aus dem Italienischen von Walter Kögler und Rita Seuß. Sieben Jahre nach dem Welterfolg von "Gomorrha" legt Roberto Saviano eine Reportage über Kokain vor. Millionen Menschen konsumieren die Droge, weltweit und quer durch alle Gesellschaftsschichten. Allein in Deutschland wird jährlich tonnenweise Kokain beschlagnahmt. Die geheimen Geldströme, die das "weiße Erdöl" entfesselt, destabilisieren mittlerweile ganze Wirtschaftssysteme. Saviano, der Zugang zu den brisantesten Quellen hat, lässt unterschiedliche Betroffene zu Wort kommen: den Pusher, den infiltrierten Agenten, die Schönheitskönigin, den Broker. Ein alarmierendes Buch von grandioser Wucht, das zum ersten Mal das Phänomen in seiner ganzen Breite aufzeigt und einen Appell an die Öffentlichkeit richtet weil Kokain uns alle angeht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2014
Nach der Lektüre muss Ursula Scheer erst mal durchatmen, so fest hatte Roberto Saviano sie gepackt mit seinem Buch über den weltweiten Kokainhandel, aus dem wieder der typische Saviano-Sound tönte: ein leicht paranoider Gedankenstrom, gefüttert von jahrelangen Recherchen, autobiografischen Passagen und Fiktion. Weil der Autor nach seiner Reportage über Neapels Camorra unter Polizeischutz lebt, lässt die Rezensentin ihm einiges durchgehen, was sie anderen als Pose übel nähme. Wenig sagt Scheer allerdings dazu, was Saviano in der Sache über die Kokain-Mafia tatsächlich zu berichten hat und wie sie das einschätzt. Einen echten Reim kann man sich darauf nicht machen: So scheint sie einerseits mit Savianos Behauptung d'accord zu gehen, in der Finanzkrise wäre alles noch viel schlimmer gekommen, wenn nicht die Banken nach der Lehmann-Pleite das Geld der Drogenmafia gewaschen hätten, anderseits findet sie die These steil, dass nur eine Legalisierung von Kokain einen Ausweg aus der Misere böte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.02.2014
Jede Menge Projektion entdeckt Fritz Göttler im neuen Buch von Roberto Saviano. Es geht um Koks, Bump, Boost. Kokain eben und wie es die Welt beherrscht. Dass Saviano nicht auf Recherche durch die Gegend reisen kann, wie jeder Normalbürger, kann Göttler begreifen, daher wohl die etwas statisch wirkende Akkumulation von Fakten. Dass der Autor den Leser nervt mit schwelgerischem Pathos und reißerischem Hin- und Herfuhrwerken zwischen den Genres, macht Göttler allerdings wirklich zu schaffen. Über Kokain schreiben ist, wie selber welches nehmen? Also schön, meint Göttler und schluckt die lyrische Aura selbst von Zahlenreihen runter, um immerhin zu genießen, wie Saviano herzzerreißende Anekdoten über kleine Fischer erzählt, bevor er wieder die dicken Bosse aufmarschieren lässt mit dem Bombast eines Hollywoodstreifens.
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