Jedes Jahr besuchen über zwanzig Millionen Menschen diese mythische Stadt. Peter Ackroyd greift in seiner einzigartigen Biographie die mit Venedig verbundenen Bilder und Emotionen auf und unterlegt sie mit zahllosen Fakten und überraschenden Informationen. Dabei spannt er den Bogen über sechzehn Jahrhunderte, von den ersten Bewohnern, die in der Lagune Zuflucht suchten, bis zu den Touristenströmen, die heute die Stadt überfluten. Alle beschwört er herauf: die Händler im Rialto und die Juden in ihrem Ghetto, die Glasbläser von Murano und die großen Malerfürsten Bellini, Tizian, Tintoretto und Tiepolo, die mächtigen Dogen und die stolzen Adeligen. Nichts, weder Kriege noch Pest, weder ökonomische Krisen noch ökologische Katastrophen, vermochten den Willen dieser Stadt zu brechen und machen La Serenissima zu einem Sehnsuchtsort ohnegleichen.
Ausgesprochen verärgert lässt Peter Ackroyds Venedig-Buch den Rezensenten Arne Karsten zurück. Der billigt zwar gern zu, dass ja noch nicht von allen alles (und das Gegenteil) über die Stadt gesagt worden ist, aber diese Stadtgeschichte hält er für absolut überflüssig. Als unoriginelle und unstrukturierte Ansammlung von Banalitäten und Geschwätzigkeiten beschreibt er das Werk, aus dem er solch Sätze zitiert wie: "Vor allem im Herbst besteht die Möglichkeit von Regen". Oder: Der Wind kann "aus verschiedenen Richtungen wehen". Und das viele Wasser erst! Mal ist es heilig, mal steigt es hoch.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2012
Lebendig und unterhaltsam geschrieben findet Hans-Albrecht Koch dieses Venedig-Buch von Peter Ackroyd. Ackroyd bietet eine chronologische Geschichte der Lagunenstadt von ihren Anfängen bis zu Napoleon. Wobei sich Bergdolt mitunter fragt, woher der Autor eigentlich seine Informationen hat (nachgewiesen wird jedenfalls nix). Gut gefallen haben ihm die immer wieder vorgenommenen Längsschnitte durch den Kuchen der Geschichte: Venedigs Werftarbeiter und Gondoliere, aber auch der Karneval und das Theater etwa bekommen so besondere Aufmerksamkeit. Eine reiche Bebilderung und eine gelungene Übersetzung runden den Band für Koch ab zum passenden Gepäckstück für Venedig-Reisende.
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