'Villenhaushalt sucht Kindermädchen': Im Sommer 1965 führt eine Anzeige die 23-jährige Friede Riewerts von der Nordseeinsel Föhr ins Haus von Axel Springer, dem mächtigsten deutschen Zeitungsverleger. Zwei Jahre später wird sie zur Frau an seiner Seite, lebt zwanzig Jahre nur für ihn. Als er 1985 stirbt, droht sein Lebenswerk zu zerfallen - demontiert durch Machtkämpfe zwischen Großaktionären, Konzernvorständen und Miterben. Der jungen Witwe gelingt, was niemand erwartet hat: Sie setzt sich gegen alle Widersacher durch und steht heute an der Spitze eines wieder florierenden Konzerns. Inge Kloepfer rollt ein halbes Jahrhundert deutscher Mediengeschichte auf.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2005
Inge Kloepfers Biografie über Friede Springer bietet nach Ansicht des "H. Sf." zeichnenden Rezensenten zwar "nichts Neues". Das aber hat die Autorin zu seiner Freude "sehr lesbar arrangiert". Die Geschichte der Chefin des Springer-Konzerns, für die Kloepfer Partei nehme und deren Perspektive sie mit viel Sympathie folge, erscheint dem Rezensent "fast wie aus dem Märchen". Manchmal fühlt er sich gar an eine "Homestory aus der 'Bunten'" erinnert. Andererseits hebt er hervor, dass es Kloepfer immer wieder gelingt, "die oft allzu empfindsame Einfühlung ins Seelenleben der Porträtierten mit Sachinformationen zu verknüpfen". So beleuchte diese Biografie auch ein "wichtiges Kapitel deutscher Mediengeschichte". Langweilig findet er das Buch jedenfalls nie. Das Personal dieser Biografie und die Konflikte, in die sie gerieten, garantierten genügend Spannung. Zudem erlaube der umfangreiche Bildteil Einblicke in Selbstdarstellung und Habitus von Repräsentanten der gesellschaftlichen Elite Deutschlands.
Inge Kloepfer hat ihre Biografie der Springer-Witwe Friede Springer mit "Sachverstand und Neigung zur Kolportage" geschrieben, meint Ernst Elitz, der nicht daran zweifelt, dass auch, was nicht als Zitat Friede Springers ausgewiesen ist, doch als deren eigene Ansicht zu werten ist. Aber was macht es schon, wenn diese "Unternehmensgeschichte" des Springer-Konzerns eher als "Zeugenaussage" verstanden werden muss, wenn doch zumindest die "wichtigste" Zeugin zu Wort kommt, so der Rezensent durchaus eingenommen. Elitz nennt in seiner Rezension die wichtigsten Stationen im Leben Friede Springers, von der Angestellten zur Geliebten bis zur fünften Ehefrau Axel Springers, die nach seinem Tod mit Geschick die Macht in dessen Medienimperium zurückgewinnt. Kloepfer lässt in ihrer Biografie all dies Revue passieren und es gibt nur eines was dem Rezensenten bei seiner Lektüre negativ aufgefallen ist. Die Art, mit der dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Springer-Verlags und späterer Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius allzu großes Eigeninteresse vorgeworfen wird, findet der Rezensent "unverständlich und fast schon ehrenrührig", zumal, wie er schreibt, die Vorwürfe lediglich "behauptet", aber nirgends "schlüssig belegt" würden.
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