Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2026
ISBN
9783312014545 Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Hermann Burger ist als einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz für sein lyrisches und erzählerisches Œuvre bekannt. Weniger bekannt hingegen ist, dass sich Burger ab 1970 auch im Genre des Dramas versuchte; allem voran in seinem Stück "Die Scheintoten", das er Ende 1987, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, im Auftrag des Schauspielhauses Zürich verfasste. Zur integralen Aufführung gelangte es noch nie - Burgers früher Tod verhinderte das -, doch es verhandelt virtuos all seine Problemkonstanten: das Cimiterische, Circensische, Cigarristische, die Comedy Magic und sogar das Ferraristische.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2026
Die "großen Exzentriker" sind in der Literatur so gut wie ausgestorben, beklagt Rezensent Paul Jandl auch so jemanden wie Hermann Burger kann es wohl kein zweites Mal geben: Den früh verstorbenen Schweizer zeichnete zeitlebens die Faszination mit dem Tod aus, so auch in diesem völlig wahnsinnig ausufernden Theaterstück. Dass es nie zur Aufführung kam, ist für Jandl kaum verwunderlich: Halbtote verbringen ihre Tage in einer Art Stollen, wo sich medizinisches Personal um die korrekte Einhaltung des Kurz-vor-Exitus-Status kümmern. Für Burger typische, freudianisch aufgeladene Figuren, Künstlertypen, suchen hier vergeblich nach Bestätigung, so auch der Neuzugang Stocker, der zwar die Weltliteratur auswendig kann, das eigene Werk als Autor aber völlig vergessen hat. Der Kritiker liest Slapstick wie bei Jelinek: die "subterrestrische Pension" ist wie eine Karikatur der Menschlichkeit, kunstvoll und wortgewandt, und so uferlos wie hochphilosophisch, befindet er resümierend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2026
Eher kurz geht der Germanist und Rezensent Simon Zumsteig auf Herrmann Burgers hier veröffentlichtes Stück ein, das der Autor 1987 im Auftrag des Zürcher Schauspielhauses zu Papier gebracht hat. Der Kritiker steigt mit Burger also hinab in eine "kalte Herberge" unter dem Wiener Zentralfriedhof, in der eine "erlesene Schar Scheintoter" bis in alle Ewigkeit ihr Dasein fristen muss (der Kritiker fühlt sich an Sartres "Geschlossene Gesellschaft" erinnert). Die untoten Gäste sind beispielweise der Zauberer Altobelli, der Pastor Wermelinger oder der Formel-1-Fahrer Frascati-San Remo, lesen wir, außerdem schreibt sich Burger selbst als Schriftsteller mit Namen Stocker in den Text hinein. Der Kritiker hält sich mit Werturteilen zurück, scheint aber durchaus fasziniert und verweist außerdem auf das "Kulessa-Fragment", eine Hommage an die Gräfin Hanne Kulessa und ein "hoch virtuoser" Text, der die Ankunft Stockers in der Unterwelt beschreibt.
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