S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN
9783103977547 Gebunden, 336 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Bei einer Beerdigung erfährt Geraldine Oetken zufällig, dass sie eine Urgroßtante hatte: Frieda, von der nie jemand erzählt hat. Von der niemand mehr weiß, als dass sie 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist. Aber wer war Frieda? Wer hat sie ins Heim gesteckt? Wie endete ihr Leben? Und was hat das mit uns zu tun? Geraldine Oetken macht sich daran, Frieda ihre Geschichte zurückzugeben. Ihre Spurensuche führt sie in Archive und auf Friedhöfe, ins Oldenburg der Nazis und das ihrer Jugend - und in die Untiefen der eigenen Familiengeschichte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2026
Geraldine Oetken hat das Schweigen gestört, das in ihrer Familie immer dann herrschte, wenn es um ihre Urgroßtante Frieda Helms ging. Diese ist 1941 im Oldenburger Kloster Blankenburg gestorben, wohl als Opfer der NS-Euthanasie, wie Oetken vermutet, erklärt Kritikerin Carolin Gasteiger. Die Autorin steigt tief in die Recherche ein, wälzt Akten in Sütterlin und Kurrentschrift, bringt in ihrem Text journalistische Recherche, Tagebuch ihrer Arbeit und "eine Art Zeitgeist-Analyse" unter - in den vielen Dokumenten findet sie zwar (scheinbare) Fakten, niemals aber ihre Ahnin als Mensch. Die Todesursache "traumatische Epilepsie" glaubt sie nicht, aber was wirklich passiert ist, kann sie nicht mehr vollständig rekonstruieren, so Gasteiger. Auch zum NS-System hat Oetken ausführlich recherchiert, sie zitiert unter anderem Götz Aly. Das wäre für die Rezensentin nicht unbedingt nötig gewesen, erklärt aber in umfassenderem Rahmen, wie es nicht nur zu Friedas Schicksal, sondern zu so vielen ähnlichen Entmenschlichungen kommen konnte. Einige Passagen, in denen Oetker sich mangels Faktenlage ausmalt, was passiert ist, muten Gasteiger auch etwas zu kitschig an. Insgesamt aber liest sie mit Gewinn, wie Oetken sich grundsätzlich mit dem NS-Regime und ihrer Familie auseinandersetzt und wie sie zeigt, dass von Menschen manchmal nur noch der Name bleibt, nicht aber ein Leben, das erzählt werden kann.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…