Bernhard Kegel

Rettung durch schnelle Evolution

Warum Arten unerwartet überleben
Cover: Rettung durch schnelle Evolution
DuMont Verlag, Köln 2026
ISBN 9783755800835
Gebunden, 288 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In der Natur geht Seltsames vor. Grillen verstummen, Tintenfische schrumpfen, Vögel verändern ihr Aussehen und Echsen wachsen lange Beine. Durch den Klimawandel, die Globalisierung, die Zerstörung der Habitate, den Einsatz von Pestiziden und intensive Bejagung verändern sich viele Arten überraschend schnell. So gibt es zum Beispiel immer mehr Elefanten ohne Stoßzähne, weil sich die stoßzahnlosen Exemplare vermehren können, während die mit Stoßzähnen Wilderern zum Opfer fallen. Der Mensch befeuert die Evolution, die Zeiten langsamen Wandels sind vorbei. Doch neben der wünschenswerten Rettung unserer Tier- und Pflanzenwelt durch die Evolution gibt es auch eine dunkle Seite. Denn auch die unzähligen Mikrobenarten nutzen die rettende Kraft der Evolution. Das Ergebnis sind Resistenzbildungen von Krankheitserregern und Schädlingen. In beiden Fällen geht es um dasselbe Phänomen, daher brauchen wir ein tiefer gehendes Verständnis dieser Prozesse. Bernhard Kegel zeigt, dass wir die Kraft und die Möglichkeiten evolutionärer Veränderungen unterschätzt haben. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.08.2026

Die Bücher der Biologen Bernhard Kegel werden mit einem positiv klingenden Titel ausgestattet, obwohl durchaus auch Erschreckendes berichtet wird, bemerkt Rezensentin Sylvia Staude, so auch der neue Band, der sich mit der Evolution und der Anpassungsfähigkeit bestimmter Arten befasst. "Fast als kleine Krimis" erzählt Kegel ihre Geschichten: Die Pazifischen Feldgrillen zum Beispiel haben als Schutz gegen die Fliegenart Ormia ochracea aufgehört zu zirpen, da diese sie mittels ihres Gehörs verfolgt, liest Staude gebannt. Das bedeutet aber auch, dass die Männchen keine Paarungsrufe mehr ausstoßen können. Auch vom Birkenspanner liest die Kritikerin, der zunehmend dunkler wurde, als die Luftverschmutzung zunahm, aber auch von Elefanten, die nach und nach ihre Stoßzähne verloren, weil sie dann nicht gejagt wurden. Den positiv gestimmten Titel rechtfertigt sicherlich die Wandlungs- und Widerstandsfähigkeit vieler Arten, aber Kegel lässt nicht in Vergessenheit geraten, dass der Mensch in vielen Fällen diese Änderungen provoziert und das oft mit weitreichenden Konsequenzen: Zum Beispiel bei Bakterien, die ihre Antibiotikaresistenzen durch den übermäßigen Einsatz der Medikamente etwa in der Tierzucht entwickeln konnten. Viele Tier- und Pflanzenarten können sich möglicherweise retten - ob das auf den Menschen auch zutreffen wird, ist offen, resümiert Staude. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.06.2026

Gut gefällt Rezensent Michael Lange dieses Buch des Biologen Bernhard Kegel über Evolution. Genauer gesagt interessiert sich Kegel für evolutionäre Prozesse, die sich nicht über Milliarden Jahre hinziehen, sondern deutlich schneller von statten gehen. Tatsächlich gelingt es einigen Tier- und Pflanzenarten gelegentlich, sich durch die evolutionären Prinzipien der Mutation und Selektion, rasch an Veränderungen anzupassen, die oft durch den Menschen ausgelöst werden; etwa, wenn Fische kleiner werden, um durch die Netze von Fischern zu schlüpfen. Kegel schreibt dabei nicht nur über die evolutionären Veränderungen an sich, sondern nimmt auch die Forschungsmethoden in den Blick, was das Buch anschaulich macht. Da er sich außerdem zurückhält, was bio-genetische Fachausdrücke angeht, ist dieses lehrreiche Buch auch für Laien empfehlenswert, freut sich Lange.

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