Aus dem Französischen von Holger Fock. Sensationsbericht, Reisetagebuch, Abenteurerbiografie und wissenschaftliches Dokument - all das vereint Patrick Deville in seinem Roman "Pura Vida": Im Zentrum steht das Leben des Abenteurers und barbarischen "Don Quichotte Mittelamerikas" William Walker, der in den 1850er Jahren im Dschungel Mittelamerikas die Republik Sonora ausruft, sich später zum Präsidenten von Nicaragua ernennt und schließlich von der honduranischen Regierung exekutiert wird. "Pura Vida"aber ist mehr als bloß eine Romanbiografie William Walkers, denn Patrick Deville verwebt dessen Geschichte mit jener der sandinistischen Revolutionäre: Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich zu einem vielschichtigen Panorama revolutionärer Mythologien und Utopien.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2007
Für Jürgen Ritte hat der Roman "Pura Vida" viel mehr zu bieten, als allein vom Leben des historisch verbürgten William Walker, des selbst ernannten, kurzzeitigen Präsidenten von Sonora und Nicaragua im 19. Jahrhundert, wie es der Untertitel verspricht, zu erzählen. Mit Ironie und Melancholie berichtet ein distanzierter Erzähler nicht nur in Ausschnitten, Anekdoten oder Meldungen von dieser Verlierergestalt, sondern er rekapituliert in losen Ausschnitten 200 Jahre der Geschichte von Mittel- und Lateinamerika, wobei er immer wieder passagenweise aus dem Februar 1997 von einem Aufenthalt in Nicaragua erzählt, fasst der Rezensent zusammen. Indem sich der französische Autor Patrick Deville ein großes Geschichtsepos versagt hat und immer nur Blitzlichter der Geschichte aufscheinen lässt, ist ihm ein brillanter, die Grenzen fest umrissener Genres auflösender Roman geglückt, preist der begeisterte Rezensent. Dass der Erzähler sich angesichts der wechselvollen Geschichte zudem nicht auf einen moralisch erhöhten Standpunkt stellt und auch keinerlei Besserwisserei im historischen Rückblick an den Tag legt, findet Ritte besonders reizvoll.
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