
In der Ukraine kommt es aktuell zu sogenannten "Papp-Protesten", die sich zuerst gegen Selenskis im Alleingang getroffene Entscheidung, den beliebten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow zu entlassen, richteten,
schreibt Olexandra Jefymenko für das Menschenrechtszentrum
ZMINA (hier die
deutsche Übersetzung auf Dekoder). Jetzt setzen sich die Demonstranten vor allem für allgemeine
Verbesserungen im Militär ein. Jefymenko spricht zum Beispiel mit Tetjana Kopajhorodska und Marija Melnyk,
Ehefrauen von Soldaten. Der Protest biete "eine gute Möglichkeit für einen gewaltfreien Austausch zwischen der Gesellschaft und der politischen Führung. Die Menschen kämen hierher, um einander zu sehen und zu begreifen, dass sie mit ihren Sorgen und ihrer Unzufriedenheit nicht allein sind, sagt Kopajhorodska: 'Vielen Menschen lag das Thema auf der Seele, und nun sehen wir, dass wir
nicht allein sind, dass es viele Gleichgesinnte gibt und dass wir unsere Probleme und Ängste nicht für uns behalten müssen, sondern hierherbringen können, um
unsere Führung zu ermutigen mit uns zu kommunizieren.' Marija Melnyk ist bereits zum zweiten Mal beim Protest: 'Der Hauptgrund hierherzukommen, ist die Entscheidung, meinen Mann zu unterstützen, denn er ist bereits seit zwei Jahren in der Armee. Zuletzt habe ich bei ihm eine gewisse Hoffnung und Zuversicht gespürt, denn er hat die Veränderungen gesehen. Als er von Fedorows Rücktritt erfuhr, fiel es ihm sehr schwer zu sprechen, hatte fast Tränen in der Stimme', erzählt Marija. (...) In Kyjiw, Charkiw, Odessa und anderen Städten sprechen die Menschen weiter über die Notwendigkeit
systemischer Veränderungen: über die Arbeit des Parlaments, Transparenz bei Personalentscheidungen, die Rolle der Zivilgesellschaft und den Umgang mit Soldaten und Veteranen. Wer durch die russische Besatzung das Zuhause verloren hat, fordert, dass der Staat strategisch weiterhin dafür arbeite, dass sie eines Tages zurückkehren können. Das ist die ukrainische Gesellschaft: Menschen, die mit Pappschildern ihre Stimme erheben, wenn es ihnen wichtig ist, gehört zu werden."