Ulrich Thielemann

System Error

Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt
Cover: System Error
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783938060414
Gebunden, 253 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Immer mehr Menschen beschleicht ein Unbehagen gegenüber dem Markt. Stetig wachsende Einkommensunterschiede, Gewinnsteigerungen durch Entlassungen, die schleichende Ökonomisierung des Lebens. Bildung wird durch Humankapitalbildung ersetzt, Politik auf Standortpolitik reduziert und Vorfahrt fürs Kapital als Vorfahrt für Arbeit verkauft. Und zu all dem noch müssen die Folgen, die die Gier des Kapitals und seiner Zu-diener angerichtet haben, von anderen ausgebadet werden. All dies wird von der vorherrschenden ökonomistischen Doktrin gerechtfertigt. Mehr Markt und mehr Wettbewerb, das sei doch letztlich immer gut für alle. Oder der Markt wird kurzerhand mit Freiheit gleichgesetzt, womit jede Verminderung seines Einflusses auf Unfreiheit hinausliefe. Trotzdem ist dies kein Anti-Markt-Buch, sondern ein Buch gegen die Marktgläubigkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.12.2009

Rudolf Walther findet diese Studie des Wirtschaftsethikers Ulrich Thielemann lesenswert. Dass der in St. Gallen lehrende Autor für seine Kritik am Schweizer Bankgeheimnis, an Marktgläubigkeit und Marktlogik zu Hause als "Nestbeschmutzer" gilt, bedeutet Walther augenscheinlich, dass hier einer der Wahrheit recht nahe kommt. Allerdings möchte Thielemann die Marktwirtschaft gar nicht abschaffen, wie Walther einräumt. Nur deren Logik ein bisschen menschenfreundlicher gestalten. Die Darstellung der Wachstumskosten, die der Rezensent bislang in wirtschaftlichen Lehrbüchern vergeblich suchte und die Thielemann hier vornimmt, scheint Walther ein Schritt in die richtige Richtung zu sein.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2009

Hannes Koch hat diese Analyse des Wirtschaftsethikers Ulrich Thielemann mit Gewinn gelesen. Ausgehend von der Frage, warum so viele Menschen die Marktwirtschaft innerlich ablehnen, obwohl sie uns doch ungeheuren Wohlstand beschert hat, kommt er zu dem Schluss, dass der Tausch, also die Grundaktion allen wirtschaftlichen Handelns, von zu vielen Menschen als Verlust erlebt wird, denn, so referiert Koch die Grundthesen des Buchs, ihnen stehen nur wenige Gewinner gegenüber. Die allerdings sahnen kräftig ab. Wenn etwa ein Konzernvorstand ein Renditeziel von 25 Prozent ausgibt, dann haben er selbst und seine Vorstandskollegen etwas davon, eine Handvoll Großinsvestoren und ein paar Händler. Verlierer sind Tausende von entlassenen Mitarbeitern, Kunden und neuerdings auch Millionen Steuerzahler. Koch schätzt das Buch sehr, weil Thielemann ins Herz der Unternehmenspolitik vorstößt, wobei der Rezensent ganz klar die Analyse viel stärker ausfallen sieht als die präsentierten Lösungsvorschläge.

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