Im Januar 2003 wäre Boris Blacher100 Jahrealt geworden. Mit seiner "Abstrakten OperNr.1" sorgte er für den größten Opernskandal im Nachkriegsdeutschland. Dirigenten wie Furtwängler, Schuricht und Solti setzten seine Werke auf ihre Programme. Heute hingegen wird er kaum mehr aufgeführt. Zu Recht? Allein schon Blachers Position zwischen den Öffnungsperspektiven der1920er Jahre und der Postmoderne spricht für seine Aktualität. Die vorliegende Studie betrachtet Blachers Umgang mit der Literatur aus wechselnder Perspektive und lässt den Blick dabei zwischen den Disziplinen wandern. Als Be- und Verarbeiter von Texten rückt Blacher ins Blickfeld, als Finder und (dramaturgischer) Erfinder. Neue, zum Teil autographe Quellen werden erstmals ausgewertet. So fächern sich überraschende Aspekte aus dem Opernleben des 20. Jahrhunderts auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2003
Auf eigentümliche Weise in Vergessenheit geraten, stellt Wolfgang Schreiber fest, ist der in China geborene, in Sibirien und der Mandschurei aufgewachsene und seit 1922 in Berlin als Komponist für einige Furore sorgende Boris Blacher. Sein Einfluss als Lehrer (etwa Gottfried von Einems oder Aribert Reimanns) war beträchtlich, seinen Kompositionen bescheinigt der Rezensent "Rang" und "Originalität". Vermutlich sei es jedoch gerade seine Vielseitigkeit, von einer dekonstruktiven Oper bis zum Werbefilm-Soundtrack reicht Blachers Oeuvre, die ihn aus dem Fokus des Musikbetriebsinteresses gerückt habe. Diese Dissertation versucht nun, auf Blacher als Librettisten von umfassender literarischer Bildung aufmerksam zu machen. Von Shakespeare bis Kafka, von Gombrowicz bis Benn reichen die Bezüge. Vielleicht, hofft Schreiber, wird durch dieses Buch der eine oder andere wieder auf Blacher aufmerksam, einen der "kreativsten und interessantesten Musiker der Epoche".
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