Aus dem Amerikanischen von Daniel Müller. Cleveland, 2003. Ein junger Mann beginnt sein Studium am College, wo er Emily kennenlernt. Sie verlieben sich Hals über Kopf und heiraten. Aber bald zieht Emily zurück zu ihrer Familie nach Pennsylvania, während er die Uni verlässt und der Armee beitritt. Im Irakkrieg erlebt er die Schrecken des Krieges, die er nach seiner Rückkehr nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der Kriegsheld verfällt den Drogen, während die Opioid-Epidemie Amerika überschwemmt. Um seine Sucht zu finanzieren, beginnt er Banken auszurauben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2019
Gustav Seibt haut die Intensität des Buches von Nico Walker schlicht um. Was der wegen einiger Banküberfälle im Knast sitzende Irak-Veteran Walker hier aus seinem Erfahrungsschatz preisgibt, zeigt laut Seibt die rohe Wucht und Absurdität des Krieges quasi von Innen, die Abgefucktheit des soldatischen Daseins wie die seelische Zerstörung des heimgekehrten Helden. Literarisch scheint Seibt der Autor am stärksten, wenn er die zurückbleibende Leere beschreibt, dialogreich, lakonisch, monoton. Kein Page-Turner, so Seibt, aber in seiner Entsetzlichkeit unausweichlich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.04.2019
Nico Walker erzählt in seinem autobiografisch grundiertem Debütroman von Irak-Einsatz und Opioid-Krise, Drogensucht und Kriminalität, Traum und Knast. Thomas Wörtche kann nur deprimiert zur Kenntnis nehmen, wie unheroisch, öde und sinnentleert das Bilder der amerikanischen Gesellschaft ist, das Walker in "Cherry" zeichnet. Leider bietet der Roman dem Kritiker keinerlei Trost. Die Kunstlosigkeit des Autors, der wegen mehrerer Banküberfälle im Gefängnis sitzt, könnte man als "kompromisslos" bezeichnen, meint Wörtche, aber Sprache und Figuren scheinen ihm doch sehr grob geschnitzt. Diese Authentizität ist ästhetisch nicht gedeckt, bringt Wörtche seine Kritik auf den Punkt.
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