Joris Bas Backer

Baumschatten

Cover: Baumschatten
Edition Moderne, Zürich 2026
ISBN 9783037312902
Kartoniert, 272 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Christoph Schuler. Kamil und Sjonnie trennten sich, bevor ihre Liebe überhaupt richtig beginnen konnte - ihre Vorstellungen und Bedürfnisse waren zu verschieden. Doch kurz nach der Trennung kreuzen sich ihre Wege erneut: Auf dem Schulhof von Sjonnies Tochter Joss soll eine alte Eiche gefällt werden und Joss kämpft mit aller Kraft für ihren Erhalt. Doch dann taucht Kamil auf und offenbart, dass es sich um eine sogenannte "Nazi-Eiche" (oder "Hitler-Eiche") handelt. Als Afrodeutscher ist seine eigene Familiengeschichte eng mit dieser Eiche verbunden. Und auch Schulleiterin Erika Tröwe wird von der Vergangenheit eingeholt. Sie muss sich mit der NS-Geschichte der Schule und mit der Rolle, die ihr Grossvater und Vater darin gespielt haben, auseinandersetzen. So sehen sich durch die Eiche ganz unterschiedliche Menschen mit gegensätzlichen Überzeugungen miteinander konfrontiert: diejenigen, die den Baum aus ökologischer Überzeugung oder als Mahnmal erhalten wollen, und diejenigen, die den Baum und seine Geschichte auslöschen wollen. Doch zwischen Erinnerung und Verdrängung, Schuld und Verantwortung verschwimmen die Grenzen, und wer weiss - vielleicht findet die ungleiche Gruppe trotzdem irgendwie zusammen?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.02.2026

Der niederländische Illustrator Joris Bas Backer hat sich gefragt, was für Geschichten eine alte Eiche auf einem Schulhof wohl so zu erzählen hat und einen eindrucksvollen Comic als Antwort verfasst, freut sich Rezensentin Jule Hoffmann. In der Tradition der Ligne claire und in erdigen Farben erzählt er verschiedene Geschichten, in denen die Dating-App "He Love" eine wichtige Rolle spielt: Die Antagonistin und Erzählerin Frau Tröwe zum Beispiel treibt sich dort herum, nur um Menschen abzuweisen, erfahren wir. Sie ist es auch, die die Eiche auf dem Schulhof fällen will: Sjonnie, trans Mann, und seine nun Ex-Affäre Kamil sind dagegen, sie haben auch herausgefunden, dass diese Eiche von den Nazis gepflanzt wurde, erzählt uns Hoffmann. Sie zeigt sich sehr beeindruckt von diesem Comic, der queere Themen wie die bis 2011 verpflichtende Sterilisation vor einer Transition, Körperbilder, Geschlecht und Traumata verhandelt und Nationalismus und Ausgrenzung gegenüberstellt. Ein im besten Sinne an Kim de l'Horizons "Blutbuch" erinnerndes Werk, schließt sie.

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