Unsere liberale Demokratie gilt weithin als gefährdet; das Vertrauen in die Stabilität des Landes schwindet. Zur stärkenden Beruhigung, so die These des Autors, braucht es einen anderen Blick auf uns selbst. Uns Deutsche zeichnet eine gewisse Freudlosigkeit im Umgang mit uns selbst aus. Wir schätzen unser Land nicht so sehr, wie es das verdient hätte. Jens Nordalm zeigt uns, dass es auch anders ginge und vieles es verdient, wertgeschätzt zu werden: historische Reformen und gesellschaftlicher Fortschritt, unsere Literatur, unsere Denker, Musiker oder Unternehmer - und unser politisches System.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.10.2026
"Was mir am besten gefällt von der deutschen Kultur" - so könnte Jens Nordalms Loblied auf Deutschland auch heißen, erklärt Rezensent Gustav Seibt. Und was ihm gefällt - Händel, Fontane, Kant, protestantische Gottesdienste und technische Fortschritte zum Beispiel - davon weiß der Historiker und übrigens auch Redenschreiber für Friedrich Merz durchaus mitreißend und ansteckend zu schwärmen, lobt der Rezensent. Nur hat dieses Buch für Seibt leider zwei Probleme, die er gründlich herausarbeitet: Erstens predigt Nordalm selbst zwar immer wieder das Wasser der Ambiguitätstoleranz, trinkt aber selbst als Autor fröhlich den Wein der unkritischen Affirmation - die Reformation etwa oder die "bürgerliche Freiheit" im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation findet er ganz besonders toll, so Seibt. Zweitens lehnt Nordalm es zwar ab, die Wurzeln des Nationalsozialismus in der deutschen Vergangenheit zu suchen, will aber zugleich, dass wir uns an all den wunderbaren deutschen Errungenschaften erfreuen und daran oder damit oder dadurch auch ein Stückchen Gegenwart erkennen. Kontinuität im Schlechten ins Kröpfchen, Kontinuität im Guten ins Töpfchen? So funktioniert Geschichte nicht, meint Seibt, Literatur vielleicht. Wen genau Nordalm damit überhaupt erreichen will, das ist eine andere Frage, die sich der kritische Rezensent nicht beantworten kann.
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