Franco Moretti hat sich mit dem Schlagwort des distant reading einen Namen gemacht als Vorreiter einer quantitativen und statistischen Erforschung von Literatur. Dabei werden im Gegensatz zum herkömmlichen close reading, das wenige Texte detailliert und unter qualitativen Gesichtspunkten betrachtet, riesige Textmengen herangezogen. Insbesondere in den Digital Humanities erwartet man sich durch diese Methode neue Erkenntnisse.
Überdies bleibt die herkömmliche Literaturwissenschaft nicht nur an die individuelle Leseleistung, sondern auch an die begrenzten Sprachkenntnisse einzelner Forscher gebunden. Für Moretti ist es an der Zeit, analog etwa zur Globalgeschichte auch zu einer Weltliteraturforschung vorzudringen, die er unter Zuhilfenahme von big data-Verfahren plausibel macht.
Selbst wenn sich Franco Moretti verrennt, wenn seine Theorien schon bei ihrem Erscheinen veraltet sind, ist Steffen Martus fasziniert von den Ausführungen des italienischen Literaturwissenschaftlers. Denn Moretti verbinde seinen rebellischen Habitus immer mit einem bürgerlichen Arbeitsethos und schlichtweg ingeniösen Ansätze. Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitet Moretti daran, wie Martus darstellt, die Geschichte der Literatur nach dem Muster der Evolutionstheorie und als "Weltsystemtheorie" neu zu verfassen. Dafür empfahl er das "distant reading" als polemischen Gegenbegriff zum "close reading" und meint, man müsse nicht jedes Buch selbst gelesen haben, über das man eine Aussage treffen möchte. Was Moretti nicht abschätzen konnte, war der Quantensprung der digital studies, mit denen sich der erfasste Textkorpus und die Möglichkeiten der Recherche ins Unermessliche potenziert haben. Macht nichts, meint Martus, dadurch würde der Essay nur umso lehrreicher.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose Aus dem Englischen von Claudia Voit. Caroline Blackwood, Erbin des Guinness Vermögens und schillernde Figur der Londoner Bohème, hat aus ihrer Herkunft und ihrem Leben keine… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…