Die Kräfte

Roman
Cover: Die Kräfte
Park X Ullstein, Berlin 2026
ISBN 9783988160751
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Sonja Finck. Eine junge Frau bricht auf zu einer furiosen Reise durch ihre Kindheit und Aufwachsen und richtet sich mit wilder, poetischer Klarheit gegen die Härten der Welt. Sie streift durch eine Stadt, besucht eine Bar und findet schließlich am Ufer eines Flusses einen Moment der Klarheit. Von ihr geht eine unbändige Energie aus, die sich sofort überträgt. Ihre Themen sind Nähe finden, Kraft finden, Hoffnung schöpfen - und noch viel größer: wie am Leben sein und bleiben in dieser Welt, in einer sozialen Ordnung der Vereinzelung, in der Gewalt und Zartheit nonstop aufeinanderprallen? 
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.10.2026

Rezensentin Sigrid Brinkmann folgt mit Laura Vasquez' "Die Kräfte" einer umfassenden, ausschweifenden Suchbewegung. Die sensible junge Erzählerin bleibt in diesem Roman namenlos, erfahren wir. Sie ist von dem Wunsch geleitet, auszureißen aus ihrem Elternhaus und den konfektionierten Formen, die ihr hier geboten, ja aufgezwungen werden, also zieht sie los, verbrennt ihre Papiere, lässt sich treiben von Zufällen, begegnet Menschen, Tieren, Pflanzen, und erforscht dabei die titelgebenden Kräfte, die ein Leben antreiben, erzählt Brinkmann. Für sie ist es eine "Selbstfindungssuche", doch beschreibt sie eigentlich eine Art Gegenbewegung: Den Versuch, sich frei zu machen von sich und dem, was man kennt, um sich neu zu verbinden mit Menschen und Natur. Wie kann man sein und denken, ohne das, was man ist und weiß, nur ständig zu reproduzieren. Das ist die laut Rezensentin Frage, die diese literarische Suche antreibt, ihr Ziel. Sie führt durch Straßen, Felder, Kneipen und Häuser, aber auch durch die Lektüre von Literatur und Philosophie, deren Erträge elegant in den Text eingewoben werden, so Brinkmann. Das Ergebnis ist für sie: erzählerische Poesie, "Die Stimme eines Niemands in der Welt", wie ein Orakel im Text es ausdrückt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.08.2026

Rezensentin Annabelle Hirsch trifft sich mit der franko-spanischen Autorin Laura Vazquez in Marseille, um mit ihr über deren zweiten Roman, aber auch über die Ursprünge und den Motor ihres Schreibens zu sprechen. Als Kind hat sie vor allem Gebete verfasst, lesen wir, sie wollte ihre Großmutter vor dem Tod retten und hat sich erträumt, eine Heilige zu werden, deren Kraft, deren Wahrnehmungssensibilität sie selbst übersteigt. Hirsch findet, dass der Autorin das im Schreiben im Prinzip auch gelungen ist, geht es ihr doch immer darum, von etwas zu erzählen, das größer ist als man selbst. Sie erfährt auch bei der Lektüre von Vazquez' zweitem Roman sowas wie Transzendenz: Die Protagonistin ist mit ihrem Leben reichlich unzufrieden, sie spürt viel innere Leere und begibt sich auf Sinnsuche, den sie nicht in der Bar findet, sondern im inneren Zwiegespräch mit Dichtern wie Pessoa. Nachdem die Protagonistin einer seltsamen alten Frau vorgestellt wird, fängt sie mit dem Schreiben an, alles ist erst einmal "pas gégé", also nicht so genial, aber sie begibt sich damit auf eine wichtige, perspektivreiche und auch witzige Reise, erklärt Hirsch. Die Figur hat einiges mit der Autorin gemein, verrät die Rezensentin. Auch Schreibtipps gibt ihr Vazquez noch mit: Viel, viel lesen, denn man schreibt nie allein, sondern immer mit allem im Hinterkopf, das man gelesen und geliebt hat.

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