Insel Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783458646273 Gebunden, 240 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
1936, Frauenkirch, inmitten der Schweizer Alpen, unweit von Davos: Umgeben von majestätischen Bergen und wortkargen Bauern führen Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner ein Leben in enger Verbundenheit. Dass die politische Situation in Deutschland immer dunklere Schatten wirft und ihre Existenz auf dem Wildboden zu zerstören droht, wird vor allem für Erna zur fast unerträglichen Zerreißprobe. Trotz aller Anstrengungen, sich gegen die äußere Gefahr sowie die inneren Dämonen und die Morphiumsucht ihres Partners zu stemmen, kann sie die Tragödie nicht verhindern: Als sie mit Kirchner den Menschen, dem sie sich bedingungslos verbunden fühlt, endgültig verliert, muss sie ihr Leben radikal überdenken und selbstbestimmt um die eigene Zuversicht und Zukunft kämpfen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.09.2026
So mitreißend wie zermürbend findet Rezensentin Elke Schlinsog den Debütroman von Constantin Lieb, der sich der letzten Lebensphase des Malers Ernst Ludwig Kirchner und seiner Partnerin Erna Schilling im Schweizer Exil widmet. Ab 1936 lebt er in den Schweizer Bergen, der Erzähler tastet sich langsam bis zum Ort Frauenkirch vor, geht zu Fuß bis zu dem Haus, das ihm mit seiner schweren, dunklen Holzbauweise so vorkommt, als wäre Kirchner gerade noch dagewesen, schildert Schlinsog. Er erzählt dann aus der Pespektive Schillings: Wie sie Kirchners Leben organisiert, Kontakte für ihn pflegt und erlebt, wie degradierend er sie mit Beleidigungen behandelt, wie er sie einfach "mit der Hand wegwedelt", was die Kritikerin ziemlich mitnimmt. "Behutsam und zugleich schonungslos" schreibt Lieb ihr zufolge aber auch über die Bedrohungen, die die beiden erleben. Sie mussten aus Deutschland fliehen, doch Nazis und ihre Bewunderer gibt es auch in der Schweiz, die Angst bleibt also. Die ausführliche Recherche merkt sie dem Buch an, die Naturschilderungen vom "mandarinschimmernden Licht" über dem Häuschen könnten auch eine Beschreibung von Kirchner-Gemälden sein. Auch Kirchners Suizid werde kunstvoll in einen traumähnlichen Erzählungsstrang eingeflochten. Ein überzeugender Roman, findet die Rezensentin.
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