Aus dem Amerikanischen von Anja Utler. Anne Carson ist eine der große Lyrikerinnen der Gegenwart: Von Gedicht zu Essay, von Oper zu Ballett findet sie Gesten, um die Gegenwart zu bannen. Sappho, Simone Weil, Monica Vitti - mit ihnen führt Anne Carson Telefonate: Stimmen und Ideen erreichen sie über eine Spanne von Jahrhunderten und auch nur Tagen. Ihre Fragen bringen alle Gewissheiten ins Wanken: das Selbst, die Form, die Identität, das Geschlecht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2014
Angela Schader holt weit aus für die deutsche Ausgabe des im Original 2005 publizierten Gedichtbandes der in Toronto geborenen Dichterin Anne Carson. Verschiedenen Themenkreisen der Autorin folgend, landet Schader bei der Mutter der Autorin und dem ohne Pathos verhandelten Abschied, dem Tod. Die mannigfachen Assoziationsräume der Texte durchschreitend, kommt Schader schließlich zu Vergleichen und Projektionen, die Carson zwischen antiken Rhetorikern und etwa Antonioni herzustellen sucht. Laut Schader gelingt dergleichen nicht immer. Sublim und überzeugend allerdings erscheint der Rezensentin zum Beispiel Carsons Verfremdung von Sapphos Eifersuchtsmotiv.
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