Anke Stelling

Fürsorge

Roman
Cover: Fürsorge
Verbrecher Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783957322326
Gebunden, 200 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Der neue Roman von Anke Stelling beschreibt das Leben der Berufstänzerin Nadja, die nach dem Ende ihrer Bühnenkarriere als Dozentin an einer Ballettschule arbeitet und dort ihre "Schäfchen" schindet. Nadja weiß nicht recht, wohin mit sich - trotz ihrer Beziehung und den aufwändigen Abendessen, die ihr Partner veranstaltet. Sie beschließt, erstmals nach vielen Jahren ihre Mutter zu besuchen, die sich seit seiner Geburt um Nadjas sechzehnjährigen Sohn Mario kümmert. Dieser definiert sich und kommuniziert wie seine Mutter ausschließlich über seinen Körper. Zwischen Mutter und Sohn entwickelt sich - zum Entsetzen der beobachtenden, nicht unmittelbar in die Geschichte involvierten Erzählerin - ein heftiges amouröses Verhältnis. Ein Verhältnis, das niemand sonst zur Kenntnis nehmen will. Mit "Fürsorge" hat Anke Stelling einen Roman verfasst, der die verstörende Einsamkeit in unserer Gesellschaft thematisiert und insbesondere auf das Verhältnis zwischen Müttern und Kindern eingeht, das uns nur aus Gewohnheit ganz einfach erscheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2017

Andrea Diener hat es nicht leicht mit Anke Stellings Inzestgeschichte. Was da zwischen einer alternden Mutter und ihrem Teenager-Sohn geschieht, lässt sie nicht kalt und ist ihr offenbar unangenehm. Dass dahinter zwei dysfunktionale Charaktere stecken, macht die Sache nicht besser, meint sie. Nur gut, dass der Text erzählerisch nicht entgleist, erklärt Diener, da die Autorin sich in Ton und Blick zurücknimmt, etwa, indem sie eine Freundin die Geschichte berichten lässt. Das ermöglicht Distanz, die Diener das Lesen etwas erleichtert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.05.2017

Susanne Lenz muss schlucken bei Anke Stellings neuem Text, der eigentlich vor Stellings "Bodentiefe Fenster" entstanden ist. Das behandelte Thema Inzest zwischen Mutter und Sohn geht ihr an die Nieren. Der Tabubruch in extremster Steigerung, meint sie, ist schwer zu ertragen. Doch Lenz ist auch fasziniert davon, wie die Autorin die Sage von Ödipus und Iokaste variiert und die Frage stellt: Was ist Fürsorge? Oder auch: Ist Familie nur ein Hort für Neurosen? Lenz stellt sich die Fragen selbst beim Lesen. Das ist ein Gewinn, scheint sie zu sagen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2017

Die Figuren in Anke Stellings neuem Roman sind laut Rezensentin Susanne Messmer nicht fragwürdig oder unsympathisch, sie sind "monströs". Eine junge Frau, die ihren Sohn im Teenageralter an ihre Mutter abgegeben hat, um ihre Laufbahn als Tänzerin nicht zu gefährden, nimmt den Kontakt zu diesem wieder auf, als ihre Karriere mit Mitte dreißig beendet ist und fängt eine Liebesaffäre mit ihm an, lesen wir. Was da ganz nüchtern und trocken geschildert wird, so Messmer, geht weiter als jede Debatte zum Thema "regretting motherhood" und ist für den Leser mitunter kaum auszuhalten: Sowohl Mutter als auch Sohn sind dermaßen auf ihre Körper als Kapital fixiert, dass sich einem der Magen umdreht. Einander brauchen sie dabei lediglich als Spiegel. Ein brutaler Roman, der mit "liebgewonnenen Gewohnheiten" aufräumt, meint die zugleich geschockte und beeindruckte Rezensentin.

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