Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. "Beides sein", das sind zwei Geschichten, die ein Ganzes bilden: Da ist die Geschichte von George, einem Mädchen von heute, das um seine ganz plötzlich verstorbene Mutter trauert. George hält ihre Erinnerungen fest, vor allem die Reise nach Italien, als sie mit ihrer Mutter und ihrem kleineren Bruder Henry den Palazzo Schifanoia in Ferrara besuchten, der mit Fresken ausgemalt ist. Der Künstler der schönsten Fresken in diesem "Palast gegen die Langeweile" aus dem 15. Jahrhundert war Francescho del Cossa. Diese Erinnerungen, die Entdeckung des Sehens und Beobachtens und eine Freundschaft bringen George langsam wieder ins Leben zurück.
Und dann ist da das Leben von Francescho del Cossa, dem Renaissancekünstler, dessen Werdegang zum Hofmaler bei Borsa d'Este alles andere als einfach war und dessen ungewöhnliche Geschichte auf verblüffende, höchst vergnügliche Weise auf die des Mädchens George trifft …
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2016
In "Beides sein" setzt Ali Smith nicht auf äußere Handlung, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut, wie Rezensentin Renate Wiggershaus versichert. Fasziniert zeigt sich die Rezensentin vor allem von der Kunstfertigkeit, mit der die Autorin die Ich-Erzählung eines Freskenmalers aus dem 15. Jahrhundert mit der aus auktorialer Perspektive erzählten Geschichte des jungen Mädchens George und seiner Mutter im 21. Jahrhundert verwebt. Dabei schaffe sie es, uns das "Flüchtige, Wandelbare, Unfassliche des Lebens" und seiner konstitutiven Gegensatzpaare von Vergangenheit und Zukunft, Mann und Frau, Sinn und Geist nahe zu bringen und beweise darüber hinaus, schwärmt Wiggershaus, Originalität und Können im Umgang mit sprachliche Mitteln, "schillernden Paradoxien" und "Gedanken- und Wortspielen".
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