Efeu - Die Kulturrundschau
Ein Logopäde ist er nicht
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27.07.2026. Michel Friedman hält seine Rede in Bayreuth, vielleicht markiert sie einen Wendepunkt in der Festspielgeschichte und ihrer Aufarbeitung, hoffen die Kritiker. Charlie XCX huldigt auf ihrem Album dem Minimalismus der Rockmusik, verkündet der Standard. Die SZ ärgert sich über Rockstar-Rentner. Wie schön, dass Bruno Tauts Waldsiedlung Zehlendorf nun auch endlich Weltkulturerbe ist, freut sich die FAZ, die taz ist eher skeptisch. Lee Millers Fotografien zwingen die NZZ in Paris zum genauen Betrachten.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
27.07.2026
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Bühne
Nach langen Diskussionen (unsere Resümees) konnte Michel Friedman gestern bei der Eröffnungsfeier zum 150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele seine Rede über Richard Wagner, Antisemitismus, jüdische Identität und deutsche Verantwortung halten. Die SZ druckt die Rede in leicht gekürzter Form: Er halte die Rede "nicht, weil ich Jude bin, sondern weil ich Bürger bin. Nicht nur ich werde angegriffen. Sondern wir alle. Was ist uns die Freiheit also wert? Sind wir sicher, dass dieses Land in fünf Jahren noch demokratisch und frei ist? Ich würde mir wünschen, dass in diesem Festspielhaus, im nächsten Jahr, bei den 151. Festspielen, im Foyer eine Dauerausstellung über die antisemitische Biografie des Musikers Richard Wagner Realität werden würde. Und über die naziaffine Familiengeschichte bis weit in die Siebzigerjahre. (...) Es wäre wunderbar, wenn aufgearbeitet werden würde, dass seit Jahrzehnten die Eliten der Bundesrepublik - all die Showstars, Künstler, Politikerinnen und Politiker aller Parteien lächelnd und begeistert und sich vor den Kameras im Kreis drehend - beglückt zu den Festspieltagen pilgern, ohne jemals ihre Zweifel an diesem Ort öffentlich formuliert haben zu müssen. Einige taten es, natürlich. Aber weiter nötig war es im Interesse der 'reibungslosen Durchführung' nicht."
In der FAZ kommentiert Jan Brachmann: "Friedman selbst sprach etwas Wichtiges an: Neu-Bayreuth war von 1951 an die Geschichte einer ästhetischen Verdrängung von familiärer politischer Mitschuld. Die Geschichte der Beschweigung im Sinne eines 'störungsfreien Ablaufs' der Festspiele habe eigentlich erst mit Katharina Wagner geendet, die sich - so Friedman - in einem 'spätpubertären Impuls' entschlossen habe, 'zu stören' und das Schweigegebot ihres Vaters Wolfgang wie ihres Onkels Wieland zu missachten. (…) Die Einrichtung eines Dokumentationszentrums zur NS-Geschichte Bayreuths im Haus des Wagner-Schwiegersohns Houston Stewart Chamberlain, eines Vordenkers der NS-Rassenlehre, ist vorerst an der Finanzierung gescheitert. Geboten wäre sie."
Möglicherweise markiert die Rede tatsächlich einen Wendepunkt, hofft Florian Zinnecker für die Zeit: "Es ist schwer vorstellbar, wie Bayreuth es sich hätte leisten können, auf Friedmans Rede zu verzichten. Nicht ausgeschlossen, dass nun tatsächlich ein neues Kapitel Bayreuth-Geschichte beginnt. Wie es aussehen könnte, muss sich freilich erst zeigen. Einstweilen erfüllten Friedmans Worte auch dramaturgisch eine wichtige Funktion. Denn am Nachmittag findet auf dem Grünen Hügel die Premiere von Wagners früher Oper 'Rienzi' statt - das zweite Ereignis des Tages, das es so im Bayreuther Festspielhaus noch nie zuvor gegeben hat. Bekanntheit erlangte das Werk dadurch, dass Hitler behauptete, während einer Rienzi-Aufführung zu seiner politischen Laufbahn inspiriert worden zu sein. Nicht in Bayreuth allerdings. Bis dahin dauerte es noch ein paar Jahre."
Der BR stellt einen Teil der Rede als Video online bereit. Weitere Beiträge in Welt, FR, SZ, taz, BackstageClassical und Tagesspiegel.
Weiteres: Die FAZ stellt die Pläne für Bayreuth 2027 vor.
Besprochen werden: Tolstois "Krieg und Frieden" bei den Festspielen Reichenau, inszeniert von Philipp Haus (Welt), Leoš Janáčeks Oper "Die Ausflüge des Herrn Brouček" wird von Robert Jindra bei den Bregenzer Festspielen inszeniert (FAZ), Ulrich Rasche führt Regie bei Goethes "Faust" auf den Salzburger Festspielen (FAZ, SZ, Nachtkritik), Katharina Wagner bringt in Bayreuth "Rienzi" ihres Urgroßvaters Richard Wagner auf die Bühne (BackstageClassical).
In der FAZ kommentiert Jan Brachmann: "Friedman selbst sprach etwas Wichtiges an: Neu-Bayreuth war von 1951 an die Geschichte einer ästhetischen Verdrängung von familiärer politischer Mitschuld. Die Geschichte der Beschweigung im Sinne eines 'störungsfreien Ablaufs' der Festspiele habe eigentlich erst mit Katharina Wagner geendet, die sich - so Friedman - in einem 'spätpubertären Impuls' entschlossen habe, 'zu stören' und das Schweigegebot ihres Vaters Wolfgang wie ihres Onkels Wieland zu missachten. (…) Die Einrichtung eines Dokumentationszentrums zur NS-Geschichte Bayreuths im Haus des Wagner-Schwiegersohns Houston Stewart Chamberlain, eines Vordenkers der NS-Rassenlehre, ist vorerst an der Finanzierung gescheitert. Geboten wäre sie."
Möglicherweise markiert die Rede tatsächlich einen Wendepunkt, hofft Florian Zinnecker für die Zeit: "Es ist schwer vorstellbar, wie Bayreuth es sich hätte leisten können, auf Friedmans Rede zu verzichten. Nicht ausgeschlossen, dass nun tatsächlich ein neues Kapitel Bayreuth-Geschichte beginnt. Wie es aussehen könnte, muss sich freilich erst zeigen. Einstweilen erfüllten Friedmans Worte auch dramaturgisch eine wichtige Funktion. Denn am Nachmittag findet auf dem Grünen Hügel die Premiere von Wagners früher Oper 'Rienzi' statt - das zweite Ereignis des Tages, das es so im Bayreuther Festspielhaus noch nie zuvor gegeben hat. Bekanntheit erlangte das Werk dadurch, dass Hitler behauptete, während einer Rienzi-Aufführung zu seiner politischen Laufbahn inspiriert worden zu sein. Nicht in Bayreuth allerdings. Bis dahin dauerte es noch ein paar Jahre."
Der BR stellt einen Teil der Rede als Video online bereit. Weitere Beiträge in Welt, FR, SZ, taz, BackstageClassical und Tagesspiegel.
Weiteres: Die FAZ stellt die Pläne für Bayreuth 2027 vor.
Besprochen werden: Tolstois "Krieg und Frieden" bei den Festspielen Reichenau, inszeniert von Philipp Haus (Welt), Leoš Janáčeks Oper "Die Ausflüge des Herrn Brouček" wird von Robert Jindra bei den Bregenzer Festspielen inszeniert (FAZ), Ulrich Rasche führt Regie bei Goethes "Faust" auf den Salzburger Festspielen (FAZ, SZ, Nachtkritik), Katharina Wagner bringt in Bayreuth "Rienzi" ihres Urgroßvaters Richard Wagner auf die Bühne (BackstageClassical).
Musik

Die Pop-Feuilletons diskutieren das neue Album von Charli XCX. Vom "Brat"-Sommer, den sie vor zwei Jahren ausgerufen hat, hat sich die Popkünstlerin auf "Music, Fashion, Film" verabschiedet - statt einem ätzenden Giftgrün setzt nun ein kontrastreiches Schwarzweiß die atmosphärische Vorgabe, für die Cover-Fotografie gaben sich John Cale von The Velvet Underground, der Modemacher Marc Jacobs und Kinolegende Martin Scorsese ein Stelldichein, ergänzt von einem Feature des Body-Horror-Meisters David Cronenberg, der auf dem Album über die Vergänglichkeit allen Seins philosophiert.
"Die Nachwirkungen des limettengrünen Vorgängers sind nur mehr in absurd platzierten Pausen, Glitches und heruntergeschraubtem Autotune-Gequake zu spüren", schreibt Helene Slancar im von Wortmeldungen von Christian Schachinger und Jakob Thaller ergänzten Pop-Triumvirat, das der Standard einberufen hat. Stattdessen werde dem Minimalismus der Rockmusik gehuldigt - auch in den Texten: "Sie handeln von Charli als Mensch in der Öffentlichkeit, als Produkt eines fehlerhaften Markts, einer apathischen Figur des Spätkapitalismus." Fernerhin "stellt Charli fest, weder Musik, noch Mode oder Film werden die Gesellschaft vor dem Zerfall retten. Mit endlosen Loops wird die fatale Vermutung illustriert, Kunst hätte außer endlosen Reproduktionen nichts mehr zu bieten."
"Statt synthetischem Bombast" stellt NZZ-Kritiker Ueli Bernays fest: "Auf dem Video zu 'Rock Music' persifliert sie punkige Gesten. ... Zuletzt allerdings reißt das Videobild, der Riss geht mitten durch den Star und sein Image - die Performance wird so als Inszenierung kenntlich gemacht. ... Ihre Skepsis der eigenen Existenz gegenüber, aber auch der Gegenwart im Allgemeinen kommt nun vermehrt zum Ausdruck: 'Rock Music' steht exemplarisch für das Bedürfnis, aus der Scheinwelt auszubrechen und für die Gier nach echten Empfindungen. Sie habe sich beim Headbanging verletzt, der Nacken tue richtig weh: 'But it's the only way to feel somеthing'." Tagesspiegel-Kritikerin Inga Barthels sieht auf diesem Album in etwa "zehn Ebenen Meta-Analyse" vorliegen.
Das Album wird von einem Schwarzweißfilm in klassischer Indie-Ästhetik begleitet:
Immer mehr altgediente Pop- und Rockstars absolvieren ihre Legacy-Touren nur noch zum Preis entweder halbgarer Performances oder erheblicher Gesundheitsrisiken, beobachtet Oliver Polak in der SZ. Dass mancher Springinsfeld von einst heute, mit um die 80, nach jedem zweiten Song unter die Sauerstoffmaske muss, ist fast schon Standard. Dass Bon Jovi eben erst das eigentlich groß angelegte Comeback im Madison Square Garden nach 80 Minuten etwas ruhmlos abbrechen mussten, macht Polak nachdenklich: "Wir versetzen uns zurück in eine Zeit, hören die Melodie von damals, wollen im Damals sein, ignorieren aber das Heute. Erwarten, dass die Performance geil wird, und verzeihen nur bedingt, wenn es nicht so klingt wie vor einigen Jahrzehnten. Oder verzeihen wir es vielleicht doch? ... Die Sehnsucht ist so groß, der Wunsch, das alte Gefühl zu reproduzieren, ist so gigantisch, dass man sich die Dinge schönredet."
Weiteres: "Ein Logopäde ist er nicht", seufzt Manfred Papst in der NZZ am Sonntag angesichts dessen, dass Bob Dylan, der gerade seine Europatour bekanntgegeben hat, mit seinem Genuschel jede automatisierte Transkription von Youtube die Waffen strecken lässt. "Die Kunst ist frei", doch "Reichweite ist niemals neutral", umreißt Shoko Kuroe auf Backstage Classical das "Machtparadox der Klassik", wenn sich klassische Musiker auch politisch engagieren. In der Welt spricht der frühere Puhdys-Sänger Dieter "Maschine" Birr mit Stefan Frommann über seine Pläne, Anfang August beim Metalfestival Wacken aufzutreten. Besprochen wird ein Mahler-Konzert der Wiener Philharmoniker unter Gustavo Dudamel (Standard).
Architektur

CC BY-SA 3.0.
Rahel Bueb macht in der taz darauf aufmerksam, dass nicht alle Bewohner der Siedlung mit dieser Auszeichnung einverstanden sind und dass die sozialen Anliegen, die Taut mit dem Bau erreichen wollte, heute nicht mehr unbedingt zum Tragen kommen: "Einige sprechen von 'Etikettenschwindel'. Zwar schätzen sie ihr Zuhause, doch die heutige Bewirtschaftung durch den Konzern Vonovia sei rein profitorientiert und widerspreche den ursprünglichen sozialen Ideen Tauts. Es wird zudem befürchtet, dass der Welterbe-Status die Siedlung weiter als hochpreisiges Prestigeobjekt aufwertet, statt eine sozial und klimapolitisch zeitgemäße Entwicklung zu erleichtern."
Im Tagesspiegel wirft Nikolaus Bernau noch einmal einen Blick in die Geschichte der Siedlung: "Die Waldsiedlung war schon bei der Berliner Bauausstellung 1930 eines der wichtigsten Ziele der Architekturtouren. In damaligen Reiseführern wird sie als Sensation angepriesen. Gleichzeitig arbeiteten sich die konservative Architektenschaft Deutschlands und dann die völkischen NS-Architekten gerade an der bunten 'Papageiensiedlung' besonders ab, um 'die Moderne' insgesamt als angeblich lebens- und traditionsfeindlich, amerikanisch, antinational und 'volksfremd' zu diskreditieren. Wer die aktuellen Angriffe der AfD gegen 'das Bauhaus' in Dessau liest, hat den Katalog der damaligen Vorwürfe wieder in der Hand." Gerhard Matzig befindet in der SZ, man könne sich auch heutzutage gut noch ein Beispiel an dieser Art des Wohnungsbaus nehmen.
Literatur

Besprochen werden unter anderem Francesca Wades Gertrude-Stein-Biografie (Standard), Frieda Hughes' "George und ich" (FR), Verena Stauffers "Strahlen" (Standard), Matthias Nawrats "Das glückliche Schicksal" (Standard), Bianca Walthers "Die Vorkämpferinnen" (SZ) und neue Kinder- und Jugendbücher, darunter Sydney Smiths und Brian Flocas Bilderbuch "Mit dem Sturm um die Wette rennen" (FAZ).
Film
Denise Bucher kommt in der NZZ am Sonntag auf den in seiner Doppelmoral an Jens Spahn erinnernden Fall zu sprechen, dass die AfD-Politikerin Alice Weidel, die eine queer- und migrantenfeindliche Politik propagiert, selber aber in der Schweiz die Vorzüge einer liberalen Politik genießt und dort in einer Partnerschaft mit der aus Sri Lanka stammenden Filmproduzentin Sarah Bossard lebt. "Worüber das Paar wohl spricht, wenn Bossard nach einem Arbeitstag nach Hause kommt? Etliche Werke in ihrer Filmografie handeln von Themen, die ihrer Ehefrau zuwider sein müssen." Doch "die AfD wirft ihren Schatten. Eine Filmemacherin sagt, es sei nach dem Wahlkampf schwierig geworden, Bossard noch zu engagieren. ... Seither hat sich Sarah Bossard weiter zurückgezogen. ... Der multikulturelle Thriller 'Black Bag' (2025) von Steven Soderbergh mit Cate Blanchett und Michael Fassbender und viel dunkler Haut in den Nebenrollen ist das letzte ihrer Projekte, das in der Internet Movie Database aufgeführt ist, künftige sind keine aufgelistet. Weidels politische Karriere scheint auf Kosten von Bossards Karriere zu gehen. Sie wird ihre Gründe haben, diese Frau trotzdem zu lieben, die so laut gegen Andersdenkende hetzt."
Außerdem: "Nolan beschwört die Angst vor einer großen Bedrohung herauf und trifft damit die Grundstimmung im Anthropozän", sagt der Altphilologe Jonas Grethlein im Tagesspiegel-Gespräch angesichts der Tatsache, dass Christopher Nolans "Odyssee"-Film zumindest in den USA gerade auch von der jüngeren Generation an Kinogängern erheblichen Zulauf erfährt. Denise Bucher spricht für die NZZ am Sonntag mit der Schauspielerin Claire Foy, die aktuell in Philippa Lowthorpes gleichnamiger Verfilmung von Helen Macdonalds Bestseller "H wie Habicht" (unsere Kritik) zu sehen ist). Claus Löser schreibt im Filmdienst über die im Berliner Zeughauskino und im Kino Krokodil gezeigte Filmreihe "In weiter Ferne, so nah" zur Geschichte des tschechischen und slowakischen Films. Jenni Zylka (Freitag) und Marco Abel (critic.de) schreiben Nachrufe auf den Schauspieler und Lebenskünstler Werner Enke. Anne Backhaus plaudert für ZeitOnline mit dem Regisseur Arne Feldhusen, der nach "Stromberg" und "Tatortreiniger" nun auch die neue ZDF-Serie "Das Manko" inszeniert hat. Besprochen wird Andrew Stantons Animationsfilm "Toy Story 5" (NZZ).
Außerdem: "Nolan beschwört die Angst vor einer großen Bedrohung herauf und trifft damit die Grundstimmung im Anthropozän", sagt der Altphilologe Jonas Grethlein im Tagesspiegel-Gespräch angesichts der Tatsache, dass Christopher Nolans "Odyssee"-Film zumindest in den USA gerade auch von der jüngeren Generation an Kinogängern erheblichen Zulauf erfährt. Denise Bucher spricht für die NZZ am Sonntag mit der Schauspielerin Claire Foy, die aktuell in Philippa Lowthorpes gleichnamiger Verfilmung von Helen Macdonalds Bestseller "H wie Habicht" (unsere Kritik) zu sehen ist). Claus Löser schreibt im Filmdienst über die im Berliner Zeughauskino und im Kino Krokodil gezeigte Filmreihe "In weiter Ferne, so nah" zur Geschichte des tschechischen und slowakischen Films. Jenni Zylka (Freitag) und Marco Abel (critic.de) schreiben Nachrufe auf den Schauspieler und Lebenskünstler Werner Enke. Anne Backhaus plaudert für ZeitOnline mit dem Regisseur Arne Feldhusen, der nach "Stromberg" und "Tatortreiniger" nun auch die neue ZDF-Serie "Das Manko" inszeniert hat. Besprochen wird Andrew Stantons Animationsfilm "Toy Story 5" (NZZ).
Kunst
Im Pariser Musée d'Art Moderne sieht Jürg Müller für die NZZ die bislang umfassendste Retrospektive mit Fotos von Lee Miller. Neben surrealitisch anmutenden Porträts zwingen besonders ihre Bilder aus dem Krieg zum genauen Hinschauen: "Während des Kriegs entstanden Reportagen, die den Bombenterror festhielten. Außergewöhnlich bleibt ihre Arbeit als Kriegskorrespondentin. Sie war bei der Invasion in der Normandie, fotografierte die Schlacht um Saint-Malo und berichtete aus den befreiten Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau. Die Aufnahmen der Leichenberge und der Überlebenden sind schwer zu ertragen, gerade weil sie nicht pathetisch sind. Miller sucht nicht den großen Effekt; sie hält stand. Ihre Bilder zeigen das unendliche Grauen, ohne es ästhetisch zu beruhigen. Wer vor ihnen steht, spürt, dass Sehen hier keine angenehme Tätigkeit mehr ist, sondern eine moralische Zumutung."
Besprochen werden: Die Ausstellungen "Chambres d'Amis turns 40" im Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent (taz), "Ich, Gustave Courbet, Maler und Rebell" im Museum Folkwang in Essen (Tagesspiegel) und "Wo die Citronen glüh'n" in der Weimarer ACC Galerie (FAZ).
Besprochen werden: Die Ausstellungen "Chambres d'Amis turns 40" im Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Gent (taz), "Ich, Gustave Courbet, Maler und Rebell" im Museum Folkwang in Essen (Tagesspiegel) und "Wo die Citronen glüh'n" in der Weimarer ACC Galerie (FAZ).
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