Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Massive Zeitungsseile

19.06.2026. Kehrtwende in Bayreuth: Katharina Wagner entschuldigt sich bei Michel Friedman und der spricht nun doch in Bayreuth, wie er der SZ versichert. Die FAZ lernt in Bonn von Candice Breitz: Mitgefühl ist offenbar eine Frage der Hautfarbe. Im Tagesspiegel erzählt Dokumentarfilmemacherin Regina Schilling, wie sie Ingeborg Bachmann wieder zum Leuchten bringen will. Der Perlentaucher lauscht einem Schwanengesang, dem alle Schwere fehlt, in Sophie Fillières' Film über eine Frau im Angesicht des Todes. Und Van weiß: Ab 2032 soll die Berliner Philharmonie für acht Jahre schließen und für 1,15 Milliarden Euro saniert werden.

Etwas vernebelte Zwischenwelt

18.06.2026. Über die Absage einer Veranstaltung mit Michel Friedman bei den Festspielen Bayreuth wird weiter diskutiert: Die FAZ findet die Aufregung übertrieben, die Zeit sieht hier statt Antisemitismus eher Unprofessionalität. FAZ und FR stoßen im Städel Frankfurt fast mit der Nasenspitze auf die Druckgrafiken Pieter Bruegels des Älteren. Die SZ ist fasziniert von Wolf Gaudlitz' Film "Blaue Wüste", der den Versuch festhält, Wasser in die Wüste zu tragen - und jahrelang nicht gezeigt wurde. 

Schlechte Unendlichkeit

17.06.2026. Die Bayreuther Festspiele wollen über Richard Wagners Antisemitismus sprechen, laden dafür Michel Friedman ein - und gleich wieder aus: Sowohl die SZ als auch Friedman selbst glauben nicht so recht, dass die Absage mit Sicherheitsbedenken zu tun hat. Die FAZ entdeckt in einer Turiner Ausstellung den Barock-Maler Sodoma, einen schelmischen Snob des 16. Jahrhunderts. Kino und Internet vertragen sich doch, staunt der Standard über Kane Parsons' originellen Horrorfilm "Backrooms". Und die Musikkritiker trauern um den südafrikanischen Jazzer Abdullah Ibrahim: Die FR würdigt ihn als wichtigen Kämpfer gegen die Apartheid. 

Metaphysische Achterbahnfahrt

16.06.2026. Schreibt KI vielleicht doch die bessere Fiktion, weil sie so schön hochstapelt, fragt sich der Freitag. Der Guardian nimmt in London ein göttliches Blutbad mit Anish Kapoor. Der Dlf schickt den klassischen Kunstkritiker in den Ruhestand. Derweil begrüßt Backstage Classical eine neue Generation junger kühner Dirigentinnen. Und die FAZ trägt das Fußballtrikot fortan auch im Büro und bei der Gala.

So entsetzlich kompliziert

15.06.2026. Wie kann Theater von sexuellem Missbrauch erzählen, fragen sich die Kritiker in einer Inszenierung von Leonie Böhm in München. Critic.de vermutet, dass ein New New Hollywood kurz bevorsteht, jetzt, wo Autodidakten den Kino-Markt erobern. In München bestaunt die NZZ mehrere Jahrhunderte Haarpracht in der Kunst. Ebenfalls die NZZ beklagt sich darüber, wie wenig Zeit und Raum im Bildungssystem für ausschweifendes Lesen gelassen wird. Der Sound der iranischen Diaspora-Popmusik geht der taz richtig gut ins Ohr.

Im Verlauf satt orangerot

13.06.2026. Der Maler David Hockney ist gestorben: Die FAZ bewundert seine Abstraktionen, die sich doch nie ganz von der Realität entkoppeln. Er hat nie ein trostloses Bild gemalt, wundert sich die Welt. Die FAS besucht die Kyiv Biennale in Berlin. Die NZZ lernt aus "Finnegans Wake" von James Joyce, was Sprache als Widerstand leisten kann. Die Musikkritiker feiern den Dreampop von Olivia Rodrigo.

Genüssliche Negativität

12.06.2026. taz und Tagesspiegel erleben auf der Kyjiw Biennale in Berlin, wie der Krieg auch in der Kunst inzwischen zu einem Grundzustand geworden ist. Die FAZ erliegt in Island der Poesie der deutschen Künstlerin Karin Sander, die polierte Hühnereier auf Sockeln präsentiert. Wurde der junge tschechische Dirigent Petr Popelka zum neuen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ernannt, weil er zu nett ist, um Serge Dorny zu widersprechen, fragen sich Welt und NZZ verärgert. Und die nachtkritik spürt die Lust am Sterben, wenn Angelica Liddell in Wien den Suizid von Yukio Mishima inszeniert.

Hier darf sich alles mit allem kreuzen

11.06.2026. Es gibt kaum noch Debütromane von jungen Männern, stellt die Zeit fest. Derweil schreiben junge Schriftstellerinnen auffallend oft über Gewalt durch Männer, sekundiert die SZ. Der Guardian feiert in London den Geist der Pariser Sechziger mit Werken des argentinischen Kinetik-Künstlers Julio Le Parc. Nachdem der israelische Regisseur Nadav Latif vom Festival FID Marseille ausgeschlossen wurde, solidarisieren sich viele Künstler mit ihm, atmet die FAZ auf. Gebaut wird nicht, was Bürger sich wünschen, entnimmt die Welt dem jüngsten Baukulturbericht.

Wo ist Alf, wenn man ihn braucht

10.06.2026. Angela Schanelec hat ihren neuen Film "Meine Frau weint" mit Schauspielern besetzt, die keine deutschen Muttersprachler sind - für die taz Zeugnis einer wunderbaren Befremdung. Spielbergs "Disclosure Day" wiederum feiert laut Welt die heilende Kraft der Empathie bei der Begegnung mit Außerirdischen. Eine Zürcher Ausstellung zeigt laut NZZ, wie man in der Gegenwart mit Kunst aus der Kolonialzeit umgehen kann. Außerdem jede Menge Verdi: Die FAZ tanzt in Garsington mit einer "La Traviata" auf dem Vulkan, Van begegnet in einem Amsterdamer "Simon Boccanegra" archaischer Wucht

Dur-Lyrik der Schockstarre

09.06.2026. Die SZ gratuliert Konstantin Richter zum Sachbuchpreis, Zeit online lobt die Nominiertenliste insgesamt als eine Feier der Qualität, die FAZ findet, man könnte auch mal ideenhistorische Bücher auszeichnen. Die FR lauscht beeindruckt den brutalen Spitzentönen in Rossinis Oper "Tancredi". Die FAZ stellt den aus seiner Heimat geflohenen, russischen Komponisten Dmitri Kourliandski vor, der sich gegen den Krieg engagiert.