9punkt - Die Debattenrundschau
Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
11.07.2026. In der SZ warnt Anne Applebaum: Wenn es den Republikanern gelingt, bei den Zwischenwahlen zu manipulieren - dann war's das mit den freien Wahlen in den USA. Viele in Deutschland (und ganz besonders die taz) sind stolz und gerührt, dass sich sich als "Antifaschisten" den "Faschisten" entgegenstellen. Aber im Perlentaucher und in der Welt gibt es Zweifel an diesem idyllischen Selbstbild. Bei den Grünen haben einige Männer eigenmächtig angefangen, über Männlichkeitsbilder zu diskutieren - die Partei ist laut FAS entsetzt. Das "Problem Deutschland" ist zurück, fürchtet die NZZ - und es stärkt die Rechtspopulisten in Frankreich und Polen.
10.07.2026. In der FR spricht Harald Jähner über die Geschichte der Vertriebenen - sie wurden gehasst, aber sie waren auch Agenten der Modernisierung. Die NZZ betrachtet die Radikalisierung der Demokratischen Partei in den USA mit Sorge. Sorge auch bei der SZ - über die alarmierenden Zahlen des Börsenvereins zum Buchmarkt. Und über den Deutschlandfunk.
09.07.2026. Marine Le Pen ist zwar in zweiter Instanz verurteilt, aber sie darf kandidieren - und sie hat wohl die größten Aussichten, Frankreichs nächste Präsidentin zu werden, fürchtet Le Point. Die FAZ hofft dagegen, dass ihr die Wähler ihre finanziellen Mauscheleien nicht verzeihen. Die Fußball-WM ist mehr oder weniger eine französische Angelegenheit, konstatiert die taz: 99 der nominierten Spieler sind auf französischem Boden geboren, auch wenn sie für Algerien, Haiti, die DR Kongo und Senegal spielen. Im philomag skizziert der palästinensische Aktivist Hamza Howidy einen künftigen Frieden. Die SZ beschreibt die gefährlichen Umtriebe des Rechtspopulismus in Polen.
08.07.2026. Die FAZ warnt die Ukraine und Polen: Ihr geschichtspolitischer Streit nützt nur Putin. So leicht sind die USA nicht auf Linie, auch nicht auf eine faschistische, zu bringen, meint in der FR der Amerikanist Philipp Gassert, in Deutschland wäre das einfacher. Zeit online ahnt, dass der Tod Ali Khameneis, der jetzt zum Märtyrer gekürt wurde, für die technokratischen Kader der iranischen Revolutionsgarde ein Segen war. Die SZ warnt vor einer Gamifizierung des Drohnenkriegs. Die NZZ erinnert an die Grande Dame der Sterbeforschung, Elisabeth Kübler-Ross, die heute hundert geworden wäre.
07.07.2026. Die taz hat eine kleine, aber nicht unwichtige Beobachtung gemacht: In Russland spricht man nicht mehr von "Spezialoperation", sondern von "Krieg". Die FAZ erzählt unterdessen, wie erfolgreich die Ukraine etwa auf der Krim kämpft. Jürgen Kaube in der FAZ und Thomas Schmid in der Welt wenden sich gegen die "Faschismus"-Vokabel, die den Blick auf die AfD eher versperre als schärfe. In der sudanesischen Frontstadt El Obeid droht ein Blutbad, warnt die taz. Die SZ erzählt, wie die Maga-Bewegung die amerikanische Geschichte vom Thema der Sklaverei reinigen will.
06.07.2026. Die Skepsis gegenüber Trumps Amerika wächst: Hält das System der Checks and Balances noch? Selbst einigen Gerichtsurteilen, die das zu belegen scheinen, traut die SZ nicht. In der FAZ befürchtet der Ökonom Adam Posen einen Niedergang der USA durch Trumps offene Korruption. Der Parteitag der AfD belegte eine weitere Radikalisierung - die Zeitungen fragen, wie die Partei das mit ihrer angeblichen Koalitionsfähigkeit in Einklang bringen will. In der FAZ schreibt der einstige SPD-Politiker Michael Roth über die Krise des Bundestags.
04.07.2026. Die USA feiern heute 250 Jahre Unabhängigkeit, doch gute Stimmung will nicht so richtig aufkommen: Die FAZ erinnert daran, dass die amerikanische Verfassung schon von Beginn an das Potenzial zur "Selbstzerstörung" in sich trug. Auch der Historiker Joseph J. Ellis sieht in der FR viele heutige Probleme schon damals angelegt, zum Beispiel den Rassismus. Der Journalist Andrej Zacharow erklärt in der FAS, warum der russische Staat bald in eine "Cyberpunk-Dystopie" abstürzen könnte. Das russische Staatswesen beruht auf einer Fake-Identität, schreibt derweil der Politologe Andrew Chakhoyan in der NZZ.
03.07.2026. Die Bundesregierung will das Informationsfreiheitsgesetz quasi abschaffen - in der taz protestiert Arne Semsrott von "fragdenstaat.de". Netzpolitik schließt sich an. In Zeit online prangert der Politiologe Markus Linden eine neue Querfront gegen die Vergangenheitsbewältigung an. In der FR erklärt Nancy Fraser, wie sie eine "explizit antineoliberale Linke formulieren und den Kreislauf Biden-Trump durchbrechen" will.
02.07.2026. Linke Kulturkritik hat Deutschland positiv verändert, aber heute ist der Kulturbetrieb so verknöchert, wie er früher war, meint in der FAZ der CDU-Politiker Rüdiger Kruse und skizziert als Gegenprogramm eine konservative Kulturpolitik. In der taz diagnostiziert der Menschenrechtsexperte John Stauffer einen Rechtsruck in Schweden. Der Tagesspiegel liest eine Studie der Soziologin Celine Teney zur Frage, warum so viele Menschen AfD wählen. Wir stehen heute vor vergleichbaren Herausforderungen wie die Weimarer Republik, ist der Historiker Eckart Conze im Interview mit der Zeit überzeugt.
01.07.2026. Der Guardian sucht bei Googles DeepMind nach einer KI mit ethischen Werten. Thomas Schmid interpretiert den Erfolg der AfD als Manifestation eines Unmut gegen den zähen Fluss der Alternativlosigkeit. Die NZZ erkennt angesichts der ausländerfeindlichen Proteste in Südafrika und Libyen: Das Unbehagen gegenüber Migration ist global. Die Welt fragt sich angesichts des neuen Code of Ethics des Internationale Museumsverband (ICOM), welche Rolle Kunst eigentlich hier noch spielt.